Busmagazin 03/2012

 

 

 

 

 

Top-Thema ITB 2012: Schicksals- oder Rekordjahr?

Drohen dunkle Wolken über der Tourismusbranche?
ITB 2012

Der Countdown zur Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) vom 7. bis 11. März läuft. Auch mit ihrer 46. Auflage will die Fachmesse ihrem Ruf als Impulsgeber der Branche gerecht werden. Doch wohin wird die Reise in diesem Jahr gehen?

Glaubt man dem alten Maya-Kalender oder Hollywood, dann ist 2012 Weltuntergang angesagt. Was an sich schon schade für die Menschheit wäre – der Reisebranche käme dies doppelt blöde gelegen, hat man sich doch nach Durchschreiten der Talsohle 2009 eben berappelt und sah einer goldenen Ära entgegen. Doch Spaß beiseite: In unsicheren Zeiten blüht das Kristallkugelschauen, kulminieren kollektive Ängste gerne in Untergangsszenarien.

Und auch die Rhetorik passt sich diesem Geschehen an. Spricht die Commerzbank doch gar von einem Schicksalsjahr für die Branche. „Das Schicksal der internationalen Tourismuskonjunktur hängt 2012 ein gutes Stück vom Euroraum ab. Die Staatsschuldenkrise dürfte sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen“, sagte Jutta Kayser-Tilosen, Volkswirtin der Commerzbank, im Januar bei der Vorstellung des Reise­barometers auf der CMT in Stuttgart.

Klamme Griechen, PIIGS und kein Ende der Hiobsbotschaften in der Kristallkugel? Schauen wir lieber auf die Fakten. Im gut gestarteten Jahr 2011 schwächte sich die internationale Tourismuskonjunktur später ab. Die Zahl der weltweiten Gästeankünfte, die 2010 um 6,5 % zugenommen hatte, stieg nach Angaben der Welttourismusorganisation (UNWTO) „nur“ noch um 4,5 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Setra 416 GT-HD/2: Der „Golf“ unter den Bussen

Im Test: Setra 416 GT-HD/2
Setra 416 GT-HD/2

Die Baureihe GT-HD repräsentiert quasi den Kompakten unter den Reisebussen aus Neu-Ulm: In vielen Ausführungen verfügbar, passt er von seiner ­Wirkung her immer und lässt sich auch prima weiter verkaufen. Eine interessante Variante stellt die 13-m-Version mit nur zwei Achsen dar, die wir einem Praxistest unterzogen haben.

Wer beim Kauf eines Reisebusses auf die Marke Setra setzt, hat stets die Wahl zwischen Mittelklasse und Premiumsegment: Comfort- oder TopClass. Die jeweilige Entscheidung kann bei den Investitionskosten schnell eine Differenz von mehreren 10.000 Euro ausmachen. Schließlich gibt es neben dem markanten Design durch den schicken Silberstreifen an den Flanken ja auch praxisrelevante Argumente pro TopClass. Dazu zählen bestimmte Ausstattungsdetails wie die TopAir-Klimatisierung als Alleinstellungsmerkmal und bedeutend mehr Kofferraumvolumen bei den Superhochdeckern (HDH). Zudem gibt es den Doppeldecker als Krönung der Baureihe.

Dagegen ist die ComfortClass auf Hochdecker ausgerichtet und damit sogar in der 15-m-Klasse präsent, die beispielsweise im Fernlinienverkehr eine interessante Variante darstellen kann. Darüber hinaus gibt es das 13-m-Maß direkt doppelt: Als Drei- und Zweiachser. Die Idee eines längeren Zweiachsers war zuvor erfolgreich durch VDL mit der Baureihe Futura umgesetzt worden. Der niederländische Hersteller hatte nämlich schon lange auf Leichtbauweise gesetzt und kam auch mit einem Meter über der Standardlänge auf ein akzeptables Leergewicht.

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Tankkarten: Gesellschaften fordern Bonitätsnachweis

Tankkarten bieten Service rund ums Tanken
Tankkarten

Wer Tank- und Servicekarten nutzen will, muss sich einer Bonitätsprüfung unterziehen. Bekommt das Unternehmen das „Triple A“, dann sind Rechnungen leicht bezahlt. Bei Diebstahl kann es allerdings teuer werden, wenn der Chef den Verlust nicht schnell meldet.

Tankkarten sind als bargeldloses Zahlungsmittel sehr beliebt. Denn oft lassen bereits wenige Busse im Fuhrpark die monatlichen Kraftstoffrechnungen über 10.000 Euro klettern. Bei mittelständischen Unternehmen mit ein paar Dutzend Fahrzeugen sind Rechungen über 100.000 Euro keine Seltenheit.

Damit der bürokratische Aufwand nicht Überhand nimmt, greifen Transportunternehmen beim Bezahlen des Kraftstoffes, der ausländischen Maut oder anderer Leistungen wie Reparaturrechnungen gern auf Tankkarten zurück. Je nach Wunsch flattert die Rechnung dann wöchentlich, 14-täglich oder auch monatlich ins Haus. Das vereinfacht die Buchführung und erlaubt eine gute Kontrolle über die Treibstoffkosten. Viele Tankkartengesellschaften bieten zudem Auswertungsprogramme an, mit denen die Firmen ihre Verbräuche gut überblicken können.

Die zusätzlichen Services sowie die Konditionen und Preise der Karten sind Kriterien für die Auswahl des Anbieters. Generell ist der Leistungsumfang der Tankkarten ganz unterschiedlich. Einige Gesellschaften konzentrieren sich auf den nationalen Markt. So bietet beispielsweise Avia die Ring-Card als Flottenkarte an, die an über 800 Stationen genutzt werden kann. Durch eine langjährige Kooperation mit Total kommen bei Avia-Karten noch weitere etwa 1.300 Tankstellen in Deutschland hinzu. Wer international unterwegs ist, für den bietet Avia die Avia-DKV-Selection-Card. Diese Kooperationskarte ist laut Avia nicht nur für Großkunden gedacht, sondern eignet sich für Unternehmen ab fünf Fahrzeugen.
 

Freizeit-, Themen- u. Erlebnisparks: Neues Jahr, neuer Kick

Sky Jet heißt die neue Attraktion im Allgäu Skyline Park
Freizeit-, Themen- u. Erlebnisparks

Das noch nie Dagewesene mobilisiert Erstbesucher wie Stammkunden gleichermaßen nach dem Motto: hingehen, entdecken, erleben. Eine Branche, die sich die kontinuierliche Angebotserweiterung und mitunter auch Neuausrichtung auf die Fahnen geschrieben hat, sind die Freizeit-, Erlebnis- und Themenparks. BUSMAGAZIN stellt nicht nur deren Premieren und aktuelle Highlights vor, sondern hat die Betreiber auch nach ihren Erwartungen für 2012 befragt.

Schneller, höher, weiter. Das olympische Motto greift auch bei den Freizeit-, Erlebnis- und Themenparks. Dabei dreht es sich längst nicht immer nur um die ultramoderne Achterbahn, die entweder sofortige Aufnahme in das Guinness Buch der Rekorde findet und/oder entsprechende Begehrlichkeiten der Mitbewerber weckt, die neue Errungenschaft zu toppen. Für spezielle Themenparks und vor allem Zoos könnte der Dreiklang auch so lauten: größer, artenreicher, einfach näher dran.

Die Tierparks in Hannover und Gelsenkirchen haben ihre Anlagen bereits im ersten Jahrzehnt des neuen Jahr­tausends vollkommen umgekrempelt. Es entstanden Kontinente mit den entsprechenden Tierarten, die man u. a. auf Baumwipfelpfaden, ebenerdig oder per Bootsfahrt entdecken kann. Gehege und Gitter waren gestern, heute sind Themenwelten und aktives Erlebnis angesagt – so könnte man die Neuausrichtung der zoologischen Gärten umschreiben.

Aktuelle Beispiele für diese Entwicklungen sind der Zoo Leipzig mit der 2011 fertiggestellten Tropen-Erlebniswelt Gondwanaland und der Zoo Rostock mit dem Darwineum. Die neue ­Naturerlebnis- und Wissenswelt zur Geschichte der Evolution (Eröffnung Sommer 2012) erfüllt Rostocks Zoo­direktor Udo Nagel mit Stolz: „Es ist das größte Ereignis überhaupt, was der Zoologische Garten Rostock erlebt und gebaut hat“.

Museen: Die Besucherwünsche fest im Blick

Die Zahl der Besucher in Museen steigt weiter
Museen

Kaum eine Institution hat sich in den vergangenen Jahren so gewandelt wie das Museum. Immer mehr Häuser machen heute zusätzliche Angebote, die weit über die musealen Kernaufgaben des Sammelns, Bewahrens, Forschens und Vermittelns hinausgehen: Gut sortierte Shops, attraktive Gastronomie und Vorschläge für das Reiseprogramm vor Ort helfen nicht nur Museen dabei, ihre Gäste besser zu binden. Auch Gruppenreiseveranstalter und ihre Kunden profitieren von dem verbesserten Service. BUSMAGAZIN hat Museen und Ausstellungen verschiedener Gattungen danach gefragt, wie Gruppen einen Besuch bei ihnen abrunden können.

Die Museumslandschaft in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert. Die Zahl der Museen ist stark gestiegen und mit ihr sind es auch die Besucherzahlen. Nie zuvor registrierte das Institut für Museumsforschung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mehr Zuspruch für deutsche Museen und Ausstellungshäuser als in seiner aktuellen Statistik für das Jahr 2010: Rund 115 Mio. Besuche zählten die Forscher in diesen Kultureinrichtungen in der Bundesrepublik. Das sind noch einmal knapp 2 Mio. mehr als im bisherigen Rekordjahr 2009. Zum Vergleich: Vor zwei Jahrzehnten kam die jährlich durchgeführte Erhebung auf rund 101 Mio. Besuche in musealen Einrichtungen.

Die Gründe für den Boom sind vielschichtig. Eine wichtige Rolle dabei spielen der Studie zufolge publikumswirksame Sonderausstellungen quer durch alle Gattungen. Besonders erfolgreich war beispielsweise die Schau „GigaSaurier. Die Riesen Argentiniens“ im Frankfurter Senckenberg Museum, zu der mehr als 400 000 Gäste kamen. Das Museum Folkwang in Essen erzielte mit zwei Sonderschauen zur Klassischen Moderne Rekorde: In der Wiedereröffnungsausstellung „‘Das schönste Museum der Welt’– Museum Folkwang bis 1933“ wurden 336 000 Besuche gezählt. Die zweite große Ex­position des Hauses „Bilder der Metropole – Die Impressionisten in Paris“ registrierte weitere 270 000 Besuche.
 

Editorial/ITB 2012: Adieu Badeurlaub, adieu Faulenzer…

Chefredakteur Dirk Sanne
Chefredakteur Dirk Sanne

Der Strandurlaub wird zum Auslaufmodell. Des Deutschen ­beliebteste Urlaubsform ist auf dem Rückzug. Nur noch 58,5 % aller Deutschen setzen auf den klassischen Badeurlaub, so ein Fazit des aktuellen ADAC Reisemonitors 2011. Ende der neunziger Jahre liebten es noch 64,5 % der Bundesbürger, sich am Strand zu aalen.

Der Aktivurlaub ist dagegen wieder „in“. „Der Wunsch nach aktiver Betätigung, Abwechslung und Unterhaltung macht im Urlaub keine Pause“, sagt Martin Buck, Direktor des Kompetenz-Center Travel und Logistics der Messe Berlin und dort verantwortlich für die ITB. „Die Menschen wollen vermehrt in ihrem Urlaub etwas Neues erleben“. Und das hätten auch die Veranstalter erkannt. In ihren Angeboten fänden sich daher verstärkt Mottorundreisen.

Bei jeder zweiten Fernreise werden demnach Rundreisen gebucht. Im Europageschäft stehen diese noch vor Wellness- und Gesundheitsurlaub. See- und Flusskreuzfahrten, sowie die Städtetrips können bei der ADAC-Umfrage hierzulande ebenfalls kräftig punkten (gegen­über dem Zeitraum um 2000: See + 95 %, Fluss + 20 %, Stadt + 53 %).

Auch wenn der Omnibus bei diesen Reisen nicht immer Verkehrsträger der ersten Wahl ist, so partizipiert er doch an diesem Wachstum kräftig. So nutzten – laut RDA-Reiseanalyse 2011 – zwar letztes Jahr „nur“ 5,6 Mio. Urlauber den Bus als Hauptverkehrsmittel, aber dafür ­„setzten weitere 19,4 Mio. in den Zielgebieten auf den Omnibus als Verkehrsmittel für mehrtägige Ausflüge“, betont Dieter Gauf, Hauptgeschäftsführer des RDA.

„Die Bundesbürger möchten im Urlaub Land und Leute kennen­lernen“, unterstreicht Martin Buck bei der Präsentation der ADAC-Studie im Vorfeld der ITB. Und das tun sie, so ist das erfreuliche Ergebnis aus der RDA-Analyse zu verstehen, wohl recht gerne mit dem Bus.

Apropos ITB: Es ist wieder soweit – vom 7. bis 11. März lädt die ITB, die weltweit größte Tourismus- und Reisebörse, erneut nach Berlin ein. Alle Highlights und ­weiteren Trends rund um die Messe und das Thema Tourismus mit seinen ups and downs betrachten wir detailliert in unserem Top-Thema „2012: Schicksals- oder Rekordjahr?“ (ab Seite 28).

Partnerland ist dieses Jahr übrigens Ägypten. Ein Land, das touristisch zwei Standbeine hat: als Kulturreiseland und Bade- bzw. Tauchdestination. Beides zusammen garantiert auch zukünftig, folgt man Martin Buck, eine stabile Saison. Wenn sich die politische Situation in dem Land wieder dauerhaft und hoffentlich auf demokratische Weise stabilisiert.

Wir wünschen informatives Lesen.

Ihr Dirk Sanne (Chefredakteur)

Kontakt: d.sanne(at)kirschbaum.de

 

 

 

Fotos: Allgäu Skyline Park, Aral, www.fotolia.de/Lupico, Görgler, www.pixelio.de/Andreas Hermsdorf