Busmagazin 04/2012

 

 

 

 

 

Top-Thema: Medikamente am Steuer - Was Busfahrer beachten sollten

Kleine Tablette - große Wirkung? Für Busfahrer gilt besondere Vorsicht bei Medikamenten am Steuer
Medikamente am Steuer

Hätten Sie’s gewusst? Bei jedem vierten Verkehrsunfall sind Medikamente direkt oder indirekt im Spiel. Vor dem Griff zur Tablette sollten Busfahrer deshalb genau wissen, wie sie auf die Arznei reagieren.

Mal schnell eine Kopfschmerztablette, weil der Stress, die stickige Luft und der ewig dauernde Stau den Busfahrer mürbe gemacht hat. Zudem schleicht sich langsam so ein latentes Schwächegefühl ein. Niesen und Husten werden auch immer häufiger. Bevor jetzt der Griff zur Schachtel folgt, sollte der Fahrer genau wissen, was er da einnimmt und wie er darauf reagiert.

Denn die Nebenwirkungen von Medikamenten werden oft unterschätzt. Nach der Einnahme auftretende Müdigkeit, Schwindel und Konzentrationsschwächen führen immer wieder zu Unfällen. Die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) geht davon aus, dass bei jedem vierten Verkehrsunfall Medikamente direkt oder indirekt im Spiel sind.

Das eigentliche Prob­lem besteht häufig darin, dass Berufskraftfahrer Medikamente auch einnehmen, ohne zuvor einen Arzt oder Apotheker konsultiert zu haben. Eine Selbstmedikation jedoch ist sehr gefährlich. Joachim Fehrenkötter ist Vorsitzender der Initiative Doc Stop und nimmt das Thema sehr ernst. Er sagt:  „Weder der Fahrer noch der Unternehmer können die Krankheit und schon gar nicht die Medikamente beurteilen. Wir haben in der Praxis schon Fahrer in den Krankenstand geschickt, nachdem wir erfahren haben, dass starke Medikamente eingenommen werden.

Temsa MD 9: Vielseitiger Reisemidi aus der Türkei

Im Test: der MD9 von Temsa
Temsa MD 9

Gut neun Meter lang und bis zu 39 Sitzplätze: Der MD 9 von Temsa ist eine interessante Lösung, wenn man angesichts kleinerer Gruppen eine wirtschaftliche Alternative für den Fuhrpark sucht. In unserem Praxistest überzeugt er mit einem guten Fahreindruck und einer umfangreichen Serienausstattung.

Schade: Da fährt ein schmucker Reisemidi zur Testfahrt vor, und es regnet in Strömen. Dennoch sollte unser „Gast“, der in der südtürkischen Millionenstadt Adana gebaut wird und somit eine weite Reise hinter sich hat – die Eifel kennenlernen; selbst wenn sie sich diesmal von ihrer rauen Seite zeigt.

Davon lässt sich der MD 9 nicht beeindrucken und präsentiert sich einladend, mit großem Sitzabstand, Küche und sogar Toilette im Heck. 32 Passagiere lassen sich damit komfortabel befördern, zumal auch die technische Ausstattung gutem Standard entspricht. Dazu gehören Euro 5-Motor von MAN, Automatikgetriebe, Vollklimatisierung, Einzelradaufhängung vorn und das elektronische Stabilitätsprogramm ESP – das längst noch nicht bei jedem Bus mit an Bord ist. Dank Heckantrieb und Hochboden haben wir zudem einen „richtigen“ Kofferraum zwischen den Achsen – mit 5 m3 ausreichend groß für den Midi.

Temsa hat für den MD 9 – das Kürzel steht für Midi-Decker in neun Meter Länge – einen individuellen Fahrerarbeitsplatz geschaffen, der anderen Reisebussen in Form und Funktion nicht nachsteht. Schalter, Hebel und Armaturen sind übersichtlich gestaltet und angeordnet. Auch die nötigen Ablagen einschließlich Getränkehalter wurden berücksichtigt. Erfreulich: Den digitalen Tachografen haben die Temsa-Konstrukteure benutzerfreundlich direkt in den Armaturenträger integriert – links vom Lenkrad, unterhalb der Klimasteuerung. Rechtshänder hätten das Gerät vermutlich gerne auf der anderen Seite gesehen. Doch die wenigen Eingaben kann man auch mit der „falschen“ Hand erledigen, und zwar ohne sich bücken zu müssen, wie in manch anderem Bus.

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ITB 2012: Mehr Fachbesucher, mehr Geschäft

ITB: "Danke Tourismus"
ITB 2012

Positive Signale einmal mehr für den Tourismus allgemein und für die Busreise im Besonderen von der ITB in Berlin. Während die weltgrößte Touristikmesse weiter an Substanz und Attraktivität gewinnt, verspricht 2012 ein Reisejahr mit weiteren Steigerungen zu werden. Davon profitiert auch erstmals seit langem wieder der Reisebus.

Besucherschwund? Ungenutzte Ausstellungsflächen? Keine Impulse oder nichts Neues zu vermelden? Die 46. Ausgabe der ITB Anfang März in Berlin war alles andere als das. „Über 2.200 Fachbesucher mehr als im Vorjahr, ein hervorragendes Geschäftsklima und die effiziente Herstellung neuer Geschäftskontakte im neu etablierten ITB Buyers Circle bestätigen die weltweit führende Stellung der ITB Berlin“, bilanzierte Messe Berlin-Geschäftsführer Dr. Christian Göke erfreut.

Insgesamt zog die weltgrößte Tourismusmesse 113.006 Fachbesucher (39,7 % aus dem Ausland) an, die sich bei 10.644 Ausstellern aus 187 Ländern über neue Trends und Impulse für das eigene Geschäft informierten. Mehr als das: Klaus Laepple, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) war zuversichtlich, dass das Umsatzvolumen der Geschäftsabschlüsse in diesem Jahr wieder deutlich die Marke von 6 Mrd. Euro übertrifft.

Für ein Rekordergebnis sorgten die mehr als 17.000 Gäste des ITB Berlin Kongresses. Prominente Redner und das wie gewohnt aktuelle Programm, u. a. Nachhaltigkeit und barrierefreier Tourismus, sorgten mit einem Plus von 20 % gegenüber dem Vorjahr für volle Säle. Ebenfalls als Besuchermagnet erwies sich das Segment Travel Technology. Die Neuentwicklungen der 236 Aussteller in vier Messe­hallen – darunter jede Menge Apps und Produkte aus den Bereichen Mobile Travel ­Services und Social Media – faszinierten Reiseexperten und breites Publikum gleichermaßen.
 

Erlebbare Historie: Die etwas andere Geschichtsstunde

Kostümführungen sind beliebt
Erlebbare Historie

Öde Geschichte? Ganz und gar nicht. Immer mehr historische Stätten haben gelernt, ihr Angebot spannend zu inszenieren und so die Menschen mit allen Sinnen in die historische Welt eintauchen zu lassen. Busmagazin stellt einige dieser gelungenen Konzepte vor, die für Gruppenbesuche geeignet sind.

Seit Jahren ist ein deutlich steigendes Interesse gerade im deutschsprachigen Raum zu beobachten, Geschichte erleben zu wollen und historische Stätten wie Altstadtkerne, Burgen oder Schlösser zu besuchen. Wie Erhebungen zeigen, zählen diese Höhepunkte der europäischen Kulturlandschaften zu den beliebtesten touristischen Zielen überhaupt.

Das gilt vor allem für Regionen, die weniger mit spektakulären Naturlandschaften als vielmehr mit einer Symbiose landschaftlicher und kultureller Reize aufwarten können. Museen und historische Stätten haben laut einer aktuellen Studie der Stiftung für Zukunftsfragen (BAT – British American Tobacco) von 1992 bis 2011 in der Gunst der Deutschen um vier Prozentpunkte auf 24 % zugelegt. Theater oder Klassikkonzerte mussten im gleichen Zeitraum Einbußen in gleicher Größenordnung verzeichnen.

Trotz der großen kulturtouristischen Relevanz wird die Neugierde des interessierten Besuchers historischer Gemäuer regelmäßig vor Ort nur sehr dürftig befriedigt: Die Informationen über Entstehung, Nutzung und Werdegang fließen spärlich, sind schlecht aufbereitet und präsentiert, manchmal sogar fachlich unzureichend bis irreführend. Der Tourist erwartet heute aktuelle und professionell aufbereitete Information, die an seine Bedürfnisse und Interessen angepasst ist. Der Urlaub, die Wanderung, der Ausflug – gerade in der Gruppe – soll zu einem Erlebnis werden.


Programmgestaltung: Neues in Kroatien entdecken

Der Tourismus in Kroatien boomt
Neues in Kroatien entdecken

Der Tourismus boomt im Adrialand. Bislang erkunden die Feriengäste Land und Leute nur an der Küste. Zentral- und Ostkroatien sind dagegen noch weitgehend weiße Flecken. Doch das soll sich nach dem Willen des Tourismusministeriums allmählich ändern.

Kroatien erlebt dieses Jahr eine sehr starke Nachfrage“, so Jürgen Lammert, Geschäftsführer des Paketreiseanbieters bus-partner (Dortmund). „Betrachtet man die vielen Vorzüge dieses Landes – vom kristallklaren Wasser über die reizvolle Landschaft und das angenehme Klima bis zur herzlichen Gastfreundschaft – verwundert das nicht.“

Mit dieser Meinung steht der Paketreiseveranstalter offensichtlich nicht alleine da. Denn der Tourismus in dem Balkanstaat boomt. In den letzten Jahren generierte Kroatien etwa umgerechnet 9 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr. Das entspricht einem Fünftel des gesamten Bruttoinlandsprodukts. Rund 11 Mio. Touristen besuchen pro Jahr die Republik.

Die Bedeutung dieses Wirtschaftsmotors ist den Kroaten wohl bewusst. Und ihn will die Regierung in Zagreb weiter stärken. „Der Ausbau der Konkurrenzfähigkeit des kroatischen Tourismus ist im Fokus unseres Interesses, weshalb auch die Erleichterung der Geschäftsführung bzw. des Investierens in Kroatien für potenzielle Investoren eines unser wichtigsten Ziele ist“, unterstrich Veljko Ostojic, Tourismusminister in Kroatien, anlässlich der ITB in Berlin.

Um den Tourismus zu fördern, wird 2013 u. a. die Mehrwertsteuer auf touristische Dienstleistungen in Kroatien auf 10 % gesenkt. Darüber hinaus will die Regierung in Zagreb zwischen Istrien und Dubrovnik eine Reihe ehemaliger Militärobjekte in touristische Einrichtungen umwandeln.

 

Editorial: Medikament und Nebenwirkung

Chefredakteur Dirk Sanne
Chefredakteur Dirk Sanne

Spätestens in der nasskalten Zeit Ende bzw. Anfang eines Jahres erwischt es einen immer wieder: Schnupfen, Husten, Heiserkeit, Fieber und Kopfschmerz. Grippale Effekte sind klassische aber ungeliebte Begleiter, die ein jeder möglichst schnell wieder loswerden will. Verständlich, denn schließlich schwächen sie Körper und Geist auf recht unangenehme Art. Also greift der Kranke nach Aspirin und Co. und bekämpft die Erkältung und ihre Symptome so gut es eben geht und in der Regel durchaus mit Erfolg.

Aber, bevor der Griff zur Schachtel folgt, sollte zumindest der Berufskraftfahrer genau wissen, was er da einnimmt. Und wie er bzw. sein Körper darauf reagiert. Die Nebenwirkungen von Medikamenten werden oft unterschätzt, auch die der freiverkäuflichen Mittel. Denn: „Rezeptfrei heißt nicht wirkungsfrei, das muss man beachten. In der Packungsbeilage steht immer, inwieweit das Führen von Maschinen und Fahrzeugen beeinträchtigt werden kann“, warnt nicht ohne Grund Dr. Jörg Hedtmann, Leiter des Geschäftsbereichs Prävention bei der Berufsgenossenschaft BG Verkehr.

Sicher ist ein normales Nasenspray in puncto Nebenwirkung nicht mit einem Schmerzmittel zu vergleichen, jedoch das Kleingedruckte im „Beipackroman“ sollte man in jedem Fall trotzdem lesen. Immer wieder führt eine Medikamenteneinnahme zu Müdigkeit und Konzentrationsschwächen, die wiederum das Risiko von Unfällen stark erhöhen. Die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) geht z. B. davon aus, dass bei jedem vierten Verkehrsunfall Medikamente direkt oder indirekt im Spiel sind.

Diese Feststellung unterstreicht auch die Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast). In einer europaweiten Studie sammelten Experten Unfalldaten aus 18 europäischen Ländern. Sie wollten wissen, welchen Einfluss Alkohol, Drogen und Medikamente auf die Verkehrssicherheit in Europa haben. Dabei stellte sich heraus, dass im Allgemeinen der Einfluss der Medikamente als Unfallursache gleich nach Alkohol und Drogen kommt.

Das Gefahrenpotenzial, das Medikamente unter Umständen darstellen können, ist nicht zu unterschätzen. Wir haben uns für Sie in unserem Top-Thema – Medikamente am Steuer: Was Busfahrer beachten sollten–mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt. Hier finden Sie alles zu den Gefahren, Folgen und Konsequenzen. Wir wünschen informatives Lesen.

Übrigens: Der Arbeitgeber kann in Sachen Gesundheit dem Fahrer keinerlei Vorschriften machen. Der Chef kann nur informieren, in der Verantwortung steht allein der Mitarbeiter.

Ihr Dirk Sanne (Chefredakteur)

Kontakt: d.sanne(at)kirschbaum.de

 

 

 

Fotos: fotolia.de/Robert Kneschke, Freudenstadt Tourismus, Görgler, ITB, pixelio.de/Peter Heinrich