Busmagazin 06/2012

 

 

 

 

 

Top-Thema: Brennstoffzellenbusse im Linieneinsatz

Der 18,48 m lange Phileas in Köln
Brennstoffzellenbusse im Linieneinsatz

Die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) setzt seit September 2011 mit zwei Einheiten des APTS Phileas den einzigen derzeit verfügbaren Gelenkbus mit Brennstoffzellenhybridantrieb ein. BUSMAGAZIN hat  das Kommunalunternehmen besucht und durfte mitfahren.

Nachdem sich die erste Begeisterung über Diesel­hybridbusse angesichts des hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Kraftstoffsparpotenzials von meist deutlich unter 20 % in der Praxis gelegt hat, richtet sich das Interesse wieder verstärkt anderen alternativen Antriebsformen zu. Soll gänzlich auf fossile Energieträger verzichtet werden, kommen momentan lediglich Elektroantriebe mit Brennstoffzellen (BZ) und Batterien in Frage. 

Bordküchen: Futuristisches Design im Bus

Exquisite Bordküche in einem Neoplan "Travelution" (gezeigt bei den MAN Busdays)
Bordküchen

Die meisten Fahrgäste denken beim Stichwort „Buscatering“ maximal an Wiener Würstchen und belegte Brötchen. Aber es geht viel mehr. BUSMAGAZIN zeigt auf, welche Möglichkeiten und Trends heute existieren und was nötig ist, damit sogar Sterneköche exquisite Kreationen zubereiten können.

Viele Reisende wählen als Verkehrsmittel für ihre Ferienzeit bewusst den Bus, da hier der Urlaub bereits bei der Anreise beginnt. Um adäquate Stimmung an Bord aufkommen zu lassen, gehört neben bequemen Sitzen und einer engagierten Reiseleitung auch die passende Verpflegung. Für viele Veranstalter ist das Catering bereits lukrative Haupteinnahmequelle, weshalb immer mehr Busunternehmer ihre Fahrzeuge mit umfangreichen Bordküchen aufwerten. Busausstatter wie Frenzel aus Obersulm oder Fahrzeughersteller wie Setra bieten hier maßgeschneiderte Lösungen an.

RDA-Workshop: Auf den Geschmack gekommen

Schwein gehabt (Hirtenessen auf Sardinien)
RDA-Workshop

Es ist angerichtet. Die Touristikunternehmen blicken nach dem glänzenden Auftakt für das Reisejahr 2012 mit Optimismus in die nahe Zukunft. Und im Zuge der wiederum erfolgreichen ITB im März will auch der RDA-Workshop in Erwartung eines anziehenden Messegeschäftes zahlreiche Busreiseveranstalter aus dem In- und Ausland mit Appetithappen zum Branchentreff nach Köln (17. bis 19. Juli 2012) locken.

Bleibt zu hoffen, dass die diesjährige Angebotskampagne „Küche und Keller aus der Region – Erlebnisgastronomie“, auch den Geschmack von Besuchern und Ausstellern gleichermaßen trifft. Nach dem eher kläglichen Zuspruch von nicht einmal 30 Busunternehmen, die Ende April den Weg nach Graz zur Jahreshauptversammlung des RDA fanden, sollte das Trendthema Kulinarik bedeutend mehr Anziehungskraft haben.
 

Paketer: Reiseziel - Egal?

Der Mond steht noch bei keinem Pakter im Katalog
Paketer: Reiseziel - Egal?

Es muss ja nicht gleich der Mond sein. Aber Studien zeigen deutlich: Reisende werden bei der Wahl ihres Urlaubszieles immer flexibler. BUSMAGAZIN hat bei einigen Paketreiseveranstaltern nachgefragt, ob das auch für Bustouristen gilt und welche Trends sie derzeit im Busreisemarkt sehen.

Ist das wirklich so pauschal richtig, was man immer häufiger über die Situation am Busreisemarkt hört? Dass Busreisegruppen immer ­kleiner werden, Buchungen kurzfristiger, und die Reiseziele austauschbar sind, da es sowieso nur auf den Preis ankommt? Und ist der von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) in der Reiseanalyse angekündigte „multioptionale Urlauber“, für den die potenziellen Urlaubsziele zunehmend austauschbar werden, auch schon in der Busbranche angekommen?

Tanya Trommer, Abteilungsleiterin Paketreisen beim Paketreiseveranstalter alpetour, ist der Meinung, dass dies nicht der Fall ist: „Zwar werden die Gruppen tatsächlich kleiner und die Buchungen erfolgen auch immer kurzfristiger. Dass die Reiseziele tatsächlich austauschbar sind, kann ich so aber nicht bestätigen.“

BTO-Infotour: Per Schiff und Bus durch Norwegen

Beliebtes norwegisches Fotomotiv: Hurtigrouten-Schiff
Per Schiff und Bus durch Norwegen

Ob durchs Fjordland oder zum Nordkap – die klassischen Norwegen-Rundtouren gehören bei den meisten Busreiseunternehmen und Paketreiseveranstaltern fest ins Programm. Der Neustrelitzer Paketer BTO setzt zusätzlich auf Vielfalt und hat seinen Katalog in den vergangenen Jahren um zahlreiche unterschiedliche Reisen ins Land der Trolle erweitert. Einen Vorgeschmack auf diese etwas anderen Norwegenreisen erhielten die 18 Teilnehmer der BTO-Infotour.

Still ist es im Bus. Nur das regelmäßige Piepen der Kameras ist zu hören. Ob das durch die Fensterscheiben wohl etwas wird? Schade wär’s, wenn nicht. Denn ständig tauchen entlang des Weges wunderschöne Fotomotive auf, und die Landschaft schlägt sowohl Hobbyfotografen als auch „Normalreisende“ in ihren Bann. Eigentlich ließe sich das ganze Land als eine einzige Panoramastraße bezeichnen. Und das ist auch gut so, denn schnell geht es auf norwe­gischen Straßen nicht gerade voran.

 

Editorial: Alternative Brennstoffzelle?

Chefredakteur Dirk Sanne
Chefredakteur Dirk Sanne

Es ist gar nicht so einfach mit den alternativen Antrieben. Abgesehen von Einzelerfolgen und regionaler Bedeutsamkeit konnte bei uns bisher noch keine Alternative zum Diesel ernsthaft Marktanteile gewinnen. Alle Systeme und Energieträger führen ein Nischendasein. ­Erdgasfahrzeuge, jahrelang von den Stadtwerken – nicht ganz uneigen­nützig – als umweltfreundliche Lösung propagiert, konnten sich nicht durchsetzen. Motoren, die Biogase oder Ethanol verbrennen, haben ­keinen Erfolg. Die erste Begeisterung für Dieselhybridbusse hat sich ­angesichts des hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Kraftstoff­sparpotenzials ebenfalls schon wieder gelegt.

Und dann gibt es da noch den „Hoffnungsträger“ Brennstoffzelle. Die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK) setzt z. B. seit September 2011 mit zwei Einheiten des APTS Phileas den einzigen derzeit verfügbaren ­Gelenkbus mit Brennstoffzellenhybridantrieb ein. Wir haben jetzt einmal das Kommunalunternehmen besucht und durften mitfahren. Die dazu- gehörige Geschichte finden Sie als unser Top-Thema ab Seite 8.

Zugegeben dieses Fahrzeug hat zurzeit ebenfalls noch einen schweren Stand – durchaus im Sinne des Wortes: Denn mit einem Leergewicht von rund 20 t ist es gut 3 t schwerer als ein herkömmlicher Dieselgelenkbus. Zudem ist die Fahrgastkapazität auf 95 Personen begrenzt – rund 60 weniger als in einem vergleichbaren Modell. Zu den unangenehmsten Betriebserfahrungen gehört wiederum, dass – trotz des milden Winters – die Abwärme der im oberen Heckbereich montierten Brennstoffzelle nicht ausreichte, um damit den kompletten Bus zu heizen. Vor allem die Fahrer mussten teilweise gehörig frieren.

Allerdings verbuchen die Kölner mit ihrem Brennstoffzellenhybriden auch Pluspunkte. Als positiv erweisen sich beispielsweise die alltäglichen Fahrleistungen der BZ-Phileas. Die Reichweite von ca. 250 km reicht auf den sieben befahrenen Linien völlig aus. Auch der Verbrauch liegt mit ­bislang durchschnittlich 15 kg Wasserstoff auf 100 km im anvisierten ­Rahmen. Dies entspricht einem Energieäquivalent von ca. 50 l Diesel, wobei konventionelle Gelenkbusse im Rhein-Erft-Kreis im Schnitt rund 52 l Treibstoff verbrauchen.

Es ist also alles noch offen in Sachen Zukunftsantrieb. Die Brennstoffzellentechnik liegt gleichauf mit den anderen Alternativen – das zeigt Köln schon. Aber, wer hier tatsächlich das Rennen machen wird, wird man wohl erst in einigen Jahren mit Sicherheit sagen können. 

P. S.: Neu im BUSMAGAZIN ist die Serie „RDA-Fachbeitrag. Hier referieren ausgewiesene Experten des Verbandes über der Branche unter den Nägeln brennende Themen. Auf Seite 28 geht es dieses Mal um Sinn und Zweck des RDA-Workshop und warum Reisebusunternehmer wieder zur Messe nach Köln kommen sollten.

Ihr Dirk Sanne (Chefredakteur)

Kontakt: d.sanne(at)kirschbaum.de

 

 

 

Fotos: RVK, Frenzel, Schön Touristik, Alexander Hauk/www.pixelio.de, Rothkamp, Verlag