Busmagazin 10/2012

 

 

 

 

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Top-Thema: Besondere Angebote für besondere Gäste

Stadtführung im Sitzen im hessischen Herbstein
barrierefreier Tourismus

Experten sehen im barrierefreien Tourismus ein Segment mit einem großen wirtschaftlichen Potenzial – gerade für die Busreisebranche. Und auch im Bewusstsein vieler touristischer Anbieter ist das Thema längst angekommen.

Erstmals stand in diesem Jahr ein ganzer Tag auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) im Zeichen der „Barrierefreiheit“. Dabei betonten die Experten immer wieder das wirtschaftliche Potenzial des Segments. Immerhin leben in Deutschland laut Bundes­verband Deutscher Omnibus­unternehmer (bdo) knapp 8 Mio. Menschen mit einer Behinderung. Fast 1,6 Mio. davon sind auf den Rollstuhl angewiesen. Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2003 beziffert das jährliche Umsatz­potenzial von Reisen schwerbehinderter Menschen mit 2,5 Mrd. E. Die gleiche Studie kommt auf 5 Mio. Reisen, die schwerbehinderte Personen pro Jahr unternehmen, davon 1,1 Mio. mit dem Bus.

Die beim Kongress auf der ITB beteiligten Experten aus Tourismuswirtschaft und von Behindertenverbänden gehen jedoch davon aus, dass das Potenzial noch deutlich höher ist. Denn als „Faustformel“ gilt generell, dass Barrierefreiheit für 10 % der Bevölkerung unentbehrlich ist, für 40 % hilfreich und für 100 % komfortabel bzw. ein Qualitätsmerkmal. 

Messerückblick: IAA gibt sich "dieselelektrohybrid"

Der „ZAwheel“-Antrieb von Ziehl-Abegg ist konsequent auf Radnabentechnik ausgelegt
Messerückblick IAA

Die weltgrößte Fachmesse für Nutzfahrzeuge präsentierte auch diesmal wieder jede Menge Innovationen. Spannend bleibt die Suche nach dem (vom Veranstalter gleich zum Motto ausgerufenen) Motor der Zukunft. Kleine Sensation dabei: Volvo baut Niederflurbusse für den europäischen Markt künftig nur noch mit Hybridantrieb.

Nachdem sich die Fachwelt – zumindest herstellerseitig – einig ist, dass Euro-6-Dieselbusse nicht nur besonders sauber, sondern auch wirtschaftlicher fahren als bisher, lässt der Hybrid-Hype ein wenig nach. Ganz anders Volvo: Die Schweden setzen im ÖPNV vollständig auf Hybridbusse – mit Fokus in Richtung Vollelektrik. Dies gilt ab 2014. Komplettbusse mit EEV-Dieselantrieb will Volvo deshalb nur noch im Rahmen der Übergangsfrist für bestehende Bustypen bis Ende 2013 anbieten. Logischerweise erweitert Volvo über den 12-m-Bus 7900 Hybrid hinaus sein Programm: Mit Integration von Euro-6-Motoren in den parallel ausgelegten I-SAM-Antrieb wird es auch eine 18 m lange Gelenkversion für 150 Fahrgäste geben. Als Energiequelle für Generator und Speicher wird ein neues Dieselaggregat zum Einsatz kommen, das vermutlich von dem vorgestellten Sechszylinder Euro-6-Motor (7,7 l Hubraum, 206 bis 258 kW) abgeleitet und als 5-l-Version mit vier Zylindern 177 kW (240 PS) leisten wird.

Fahrbericht MAN Lion's City Hybrid: Grün auf der Linie

Im Test: MAN Lion's City Hybrid
Fahrbericht MAN Lion's City Hybrid

Die Erwartungen an das Sparpotenzial dieselelektrischer Hybridantriebe haben sich zuletzt etwas relativiert. Dass dennoch bis zu 30 % möglich sind, wollte MAN mit seinem Lion´s City Hybrid belegen. BUSMAGAZIN schickte den Probanden auf seine anspruchsvolle Teststrecke.

Dass MAN nun einen Hybridbus zum Testen freigab, ließ erahnen, wie sicher sich die Münchner ihrer Sache waren. Umso gespannter waren wir, wie sich der ausgelastete Lion´s City Hybrid im Vergleich zum Dieselbus schlagen würde. Ein Referenzfahrzeug wurde zwar nicht mit auf die Reise geschickt, doch wir konnten auf eigenen Datenbestand zurückgreifen. Denn ein ebenfalls ausgelasteter Lion’s City NL 283 mit sauberem D20-Motor (EEV, 10,5 l, 206/280 kW/PS) hatte unseren Parcours ebenfalls schon einmal absolviert. Doch zunächst zum Testbus: MAN hat sich bei der Umsetzung seines Hybridantriebs für das Elfa-System von ­Siemens als zentrale Basis entschieden. Hierbei wird die Antriebsenergie – im Gegensatz zu Bussen mit Rad­nabenmotoren – auf eine übliche Niederflurportalachse übertragen. Dies geschieht über ein Summiergetriebe, dass von zwei elektrischen Asynchronmotoren (= Fahrmotoren) mit jeweils 75 kW Leistung angetrieben wird.

Beethoven und Bonn: Hochkultur am Rhein

Bunte Doppelgänger des großen Meisters beim Beethovenfest 2012
Hochkultur am Rhein

Mit Kultur ist die frühere Bundeshauptstadt reich gesegnet. Beethoven als bedeutendster Sohn der Stadt und  Museen der  Spitzenklasse gelten als Eckpfeiler des Städtereiseziels Bonn. BUSMAGAZIN stellt je zwei touristisch interessante Einrichtungen zu Beethoven und der Museumslandschaft vor.

Bonn macht Freude. Das neue Logo der Stadt Bonn kommt sehr gut an, bei Einheimischen wie Touristen. Werden diese doch in drei Sprachen – „Freude, Joy, Joie, Bonn“ – daran erinnert, in welcher Stadt sie gerade zu Gast sind. Es ist die Geburtsstadt Ludwig van Beethovens, der mit seiner 9. Symphonie und Schillers vertonter Ode „An die Freude“ eines der weltweit populärsten Werke klassischer Musik geschaffen hat. Und mit dessen Namen sich prima werben lässt, denn Beethoven ist längst zur Marke geworden. Eine Marke, die nicht nur das Erbe eines genialen Musikers verwaltet, sondern gelebt wird und sich ständig weiterentwickelt. Doch Bonn ist mehr als Beethoven, die frühere Bundeshauptstadt gilt vor allem wegen ihrer exzellenten Museen als Kulturhochburg am Rhein. Lage und Geschichte, Kulturangebot und Flair machen Bonn zu einem gefragten Ziel für Städtereisen – Tendenz steigend. Es gibt viele Facetten über Beethoven und Museen in Bonn, über die sich ausführlich berichten ließe.

Editorial: IAA Nutzfahrzeuge/Reisen mit Handicap

Chefredakteur Dirk Sanne
Chefredakteur Dirk Sanne

Kaum hat sie angefangen, da ist sie auch schon wieder vorbei, die größte Nutzfahrzeugshow der Welt. Oder wie es der Veranstalter VDA nannte, „das größte Autohaus der Welt“. Gut eine Woche lang war Hannover das Mekka der Fahrzeugindustrie und der Fans von Lkw, Bus & Co.

Die Zahlen, die der VDA meldet, liegen alle auf Rekordniveau. 354 Weltpremieren gab es auf der Messe zu bestaunen – über Zweidrittel davon kamen von den Zulieferern. So viele wie noch nie zuvor. 1 904 Aussteller aus 46 Ländern – das sind 9 Prozent mehr als 2010 – fanden ihren Weg an die Leine. Und die Ausstellungsfläche ist mit 260 000 m2 um 11 Prozent gewachsen. Schlussendlich haben 260 000 Menschen diese Leitmesse besucht. Das ist ein Zuwachs von rund 9 Prozent gegenüber 2010.

Kein Wunder, dass Matthias Wissmann, Präsident des VDA, mehr als zufrieden ist: „Das ist ein sehr gutes Ergebnis, das noch höher zu bewerten ist, wenn wir den konjunkturellen Gegenwind in West- und Südeuropa berücksichtigen. Unsere Erwartungen sind deutlich übertroffen worden.“ Auch wir vom BUSMAGAZIN waren auf der Messe und haben uns mit professionellem Blick die Ausstellung und die dort gezeigten technischen Neuheiten intensiv angeschaut. Unsere Eindrücke über die neuen Wege, die die Technik beschreitet, finden Sie auf Seite 6. Vorab sei verraten: Die Messe war ein voller Erfolg und voller spannender Innovationen.

Unser Top-Thema konzentriert sich allerdings auf „Reisen mit Handicap“. Aufgrund einer Schulterverletzung erlebte ich vor kurzem – Gott sei Dank nur zeitlich begrenzt – wie schnell man in seiner eigenen Mobilität eingeschränkt und wie kompliziert plötzlich der Alltag sein kann. Das, was eben noch erreichbar, erlebbar und eigenständig zu managen war, ist ohne fremde Hilfe nicht mehr zu schaffen.

Millionen Menschen in Deutschland leben mit Behinderungen, sei es aufgrund von Krankheiten, sei es aufgrund ihres Alters. Sie brauchen auch in puncto Reisen unsere Unterstützung. Nicht nur bei der Fahrt mit dem Bus, sondern auch im Zielgebiet, damit sie die touris­tischen Highlights vor Ort überhaupt erleben können. Diese grundsätzliche Problematik erkennen immer mehr Bundesländer und Destinationen und reagieren. So ist beispielsweise der „Länderarbeitskreis Tourismus für Alle“ eine Plattform mit dem Ziel, barrierefreie Angebote im Tourismus auszubauen und zu vereinheitlichen. Über die Maßnahmen der Länder, über gute Lösungen vor Ort und nicht zuletzt über das wirtschaftliche Potenzial für die Reisebusbranche berichten wir in unserem Titelthema detailliert. Wir wünschen informatives Lesen.

Ihr Dirk Sanne (Chefredakteur)

Kontakt: d.sanne(at)kirschbaum.de

 

 

 

Fotos: Kurbetriebsgesellschaft Herbstein, Görgler, (2), www.fotolia.de, Theisen, Verlag