Eine neue Pilotanlage in Mannheim mischt strombasierte oder biogene Kraftstoffe flexibel mit fossilen und dokumentiert die CO₂-Einsparung digital für jede Lieferung (Foto: Exolum Mannheim GmbH)
In Mannheim ist Anfang 2026 eine Pilotanlage in Betrieb gegangen, die für den Hochlauf klimafreundlicher Kraftstoffe von besonderer Bedeutung ist – auch mit Blick auf den Reisebusverkehr. Im Tanklager der Exolum Mannheim GmbH können Tankwagen erstmals Kraftstoffmischungen laden, die neben fossilen Anteilen auch unterschiedliche erneuerbare Komponenten enthalten. Dazu zählen nicht nur Bioethanol, wie bei den bekannten Kraftstoffqualitäten E5 oder E10, sondern auch strombasierte und biogene Kraftstoffe, sogenannte reFuels.
Die Besonderheit der Anlage liegt im als Inline-Blending bezeichneten Mischverfahren: Die Kraftstoffe werden direkt beim Verladen flexibel gemischt. Für jede einzelne Lieferung wird die Zusammensetzung exakt erfasst und die resultierende Treibhausgas-Einsparung digital dokumentiert. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das damit einen wichtigen Beitrag zur Nachweisfähigkeit und Vergleichbarkeit klimafreundlicher Kraftstoffe leistet.
Für Reisebusunternehmen ist dieser Ansatz vor allem dort interessant, wo batterieelektrische Antriebe im Reisebusbetrieb derzeit noch an praktische Grenzen stoßen. Dazu zählen insbesondere lange Distanzen, flexible Einsatzprofile, internationale Verkehre sowie fehlende Ladeinfrastruktur entlang touristischer Routen. Gleichzeitig wächst der Druck, Emissionen zu senken – etwa durch Anforderungen öffentlicher Auftraggeber, durch Nachhaltigkeitsberichte oder durch steigende Erwartungen der Kundschaft.
Die reFuels setzen genau an dieser Stelle an: Sie können in bestehenden Fahrzeugflotten eingesetzt werden, ohne dass neue Antriebe oder umfangreiche Infrastrukturinvestitionen erforderlich sind. Zwar handelt es sich bei dem Mannheimer Projekt noch um eine Pilotanwendung mit regional begrenzter Wirkung. Es zeigt jedoch exemplarisch, wie erneuerbare Kraftstoffe künftig flexibel bereitgestellt, bilanziell erfasst und transparent nachgewiesen werden können.
Perspektivisch eröffnet dies auch Reisebusunternehmen die Möglichkeit, gezielt Kraftstoff mit dokumentierter CO₂-Einsparung einzusetzen und diese gegenüber Auftraggebern oder Fahrgästen nachvollziehbar darzustellen. Das Projekt ist Teil der baden-württembergischen Landesstrategie Roadmap reFuels und verdeutlicht: Klimaschutz im Busverkehr wird künftig nicht allein über neue Fahrzeuge entschieden, sondern auch über die Wahl des eingesetzten Kraftstoffs.
Peter Strohbach