Was Reisebusunternehmer 2026 realistisch einpreisen müssen

Auch wenn Reisebusse in Deutschland nicht der Lkw-Maut unterliegen, so entfaltet die seit Ende 2024 eingeführte CO₂-Komponente der Maut dennoch ihre Wirkung entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Der Jahreswechsel 2025/2026 brachte für viele Verkehrsunternehmen keine einzelne „große“ Zäsur, wohl aber eine spürbare Verdichtung von Kostenfaktoren. Auch wenn Reisebusse von der klassischen Lkw-Maut nicht unmittelbar betroffen sind, wirken sich die aktuellen Regelungen und Entwicklungen mittelbar und dauerhaft auf den Betrieb aus. Für Unternehmer stellt sich daher weniger die Frage ob, sondern wie diese Effekte in der Kalkulation berücksichtigt werden müssen.

Keine direkte Maut – aber steigende Systemkosten
Reisebusse unterliegen in Deutschland weiterhin nicht der Lkw-Maut. Dennoch entfaltet die seit Ende 2024 eingeführte CO₂-Komponente der Maut ihre Wirkung entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Werkstätten, Zulieferer, Abschleppdienste, Ersatzteillogistik und auch Betriebshof-Dienstleister geben gestiegene Kosten weiter. Hinzu kommen höhere Transportkosten bei Fahrzeugüberführungen, Ersatzteilen oder Subunternehmerleistungen.

Für Busunternehmen bedeutet das: Die Kosten steigen nicht punktuell, sondern strukturell – oft zeitverzögert, aber nachhaltig.

Kraftstoff, Versicherung, Personal: Drei Treiber im Verbund
Parallel zur Mautdiskussion bleibt der Kraftstoffpreis ein dominanter Faktor. Zwar haben sich die Dieselpreise Anfang 2026 stabilisiert, sie liegen jedoch weiterhin auf einem Niveau, das deutlich über dem Vorkrisenwert liegt. Alternative Kraftstoffe wie HVO bieten Potenzial zur CO₂-Reduktion, sind aber regional nicht flächendeckend verfügbar und preislich kein Selbstläufer.

Auch die Versicherungsprämien entwickeln sich dynamisch. Steigende Reparaturkosten, teurere Ersatzteile und höhere Schadensaufwendungen wirken sich unmittelbar auf Haftpflicht- und Kaskobeiträge aus. Gleichzeitig verschärft der anhaltende Fahrermangel den Kostendruck: Löhne, Zuschläge, Weiterbildungs- und Rekrutierungskosten steigen weiter.

Warum Nachschärfen bei der Kalkulation 2026 notwendig ist
Viele Reisebusangebote für 2026 wurden bereits im Herbst 2025 kalkuliert. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, bestehende Preisansätze kritisch zu überprüfen – insbesondere bei:

  • Mehrtagesreisen mit langen Anfahrten
  • Charterverkehren mit engem Kostenkorsett
  • Ausschreibungen und Rahmenverträgen mit Laufzeiten über mehrere Jahre

Transparente Kostenkommunikation gegenüber Auftraggebern und Reiseveranstaltern wird dabei immer wichtiger. Pauschale Preissteigerungen sind schwer vermittelbar – nachvollziehbare Kostenargumente hingegen schon.

Bei Investitionsentscheidungen abwarten oder handeln?
Die Frage nach dem richtigen Antrieb bleibt offen. Während Dieselbusse weiterhin den Markt dominieren, prüfen viele Unternehmen den Einsatz von HVO-fähigen Fahrzeugen oder beobachten die Entwicklung bei elektrischen Reisebussen. Förderkulissen sind regional unterschiedlich, die Wirtschaftlichkeit stark vom Einsatzprofil abhängig.

Entscheidend ist weniger die Technologiefrage an sich, sondern die strategische Einordnung: Welche Investitionen sind kurzfristig notwendig, welche lassen sich aufschieben – und wo drohen mittelfristig Wettbewerbsnachteile?

Fazit: Kostenbewusstsein statt Aktionismus
2026 ist kein Jahr radikaler Einschnitte, aber eines der kaufmännischen Präzision. Wer Kosten sauber analysiert, realistisch kalkuliert und frühzeitig kommuniziert, schafft Stabilität im eigenen Unternehmen. Der Reisebus bleibt ein wirtschaftliches und vergleichsweise klimafreundliches Verkehrsmittel – allerdings nur dann, wenn Preise und Leistungen auch betriebswirtschaftlich zusammenpassen.

Peter Strohbach