Romantik, Demokratie und „Kultur für alle“

Bildquelle: visitrheinmain/David Vasicek

Kultur und deren Wert in Zeiten von Corona – hochaktuell. Stärkung der Demokratie in Zeiten von Unterdrückung und Krieg – (leider) brandaktuell. Da wünscht man sich ein Stück Romantik zurück. Für all das ist Frankfurt a. M. der place to be, denn die Hessen-Metropole vereint eine Fülle an kulturellen Angeboten, deren bedeutendste Ansammlung das Museumsufer am Main ist. Und hier gibt es mit dem neuen Romantik-Museum attraktiven Zuwachs.

Es ist noch gar nicht so lange her (2018), dass Frankfurt mit der „neuen“ Altstadt nicht nur ein bedeutendes Stück seiner Geschichte zurückerhielt, sondern auch für frischen Wind im deutschen Städtetourismus sorgte. Und auch Museen gab es immer schon zahlreiche in der Hessen-Metropole.

 Wie facettenreich und im besten Sinne unterhaltsam aber allein das fast 40 Ausstellungshäuser umfassende Museumsufer ist, dürfte auch denen nicht entgangen sein, die wegen der Altstadt vielleicht zum ersten Mal in Frankfurt Station gemacht haben. Die Ursprungsidee einer „Kultur für alle“ löst die Ansammlung an Schauwerten an den Ufern des Mains locker ein, mit dem Ende 2021 eröffneten Deutschen Romantik-Museum ist Goethes Geburtsstadt um eine kulturell bedeutende Attraktion reicher geworden.

Das in direkter Nachbarschaft zum Goethe-Haus entstandene Museum ist das weltweit einzige, das die Romantik als Epoche abbildet. Träger beider Häuser ist das Freie Deutsche Hochstift, das seit mehr als 100 Jahren Bestände aller Art zu Goethe und zur Romantik sammelt. Einiges davon haben die mehr als 110000 Gäste pro Jahr im Goethe-Haus bereits bewundert.

Aber bedeutende Stücke fristeten jahrzehntelang ihr Dasein im Archiv. „Ich hatte gerade mal wieder darüber nachgedacht, dass es sehr bedauerlich ist, dass die wunderbare Sammlung überhaupt nicht bekannt ist,“ bemerkt Anne Bohnenkamp-Renken, Direktorin des Freien Deutschen Hochstifts. Das war vor rund zehn Jahren, als sich durch das neue Projekt Goethehöfe nebenan im Großen Hirschgraben auch Platz für ein Romantikmuseum auf dem Gelände auftat.

Seit Herbst 2021 ist das Ergebnis nicht nur sicht-, sondern vor allem erlebbar. Denn Exponate von Künstlern wie u. a. Caspar David Friedrich, Novalis, Bettina von Arnim, E.T.A. Hoffmann oder Joseph von Eichendorff werden nicht einfach nur präsentiert, Mitmachen der Besucher ist ausdrücklich erwünscht. Beispielsweise auf der interaktiven Landkarte mit wichtigen Personen und Orten der Romantik oder bei der Station zu Hoffmanns Märchen „Meister Flo“, wo die Gäste sieben Illustrationen an der Wand zum Tanzen bringen können. Wer mehr über das inhaltliche und architektonische Juwel erfahren will, wird auf https:// deutsches-romantik-museum.de fündig. Wie aktuell Geschichte sein kann, wird beim Blick hinter die Skyline von „Mainhattan“ und auf den Spuren der Demokratie deutlich.

Denn 2023 sind seit den Ereignissen des Jahres 1848 zwar genau 175 Jahre ins Land gegangen, aber für manche ist Demokratie immer noch ein rotes Tuch. Mitte des 19 Jh. spielte Frankfurt eine zentrale Rolle, denn im Zuge der Revolution kam 1848/49 in der Paulskirche die erste deutsche Nationalversammlung zusammen, um eine gesamtdeutsche Verfassung auf den Weg zu bringen.

Warum Frankfurt, wieso die Paulskirche? Die Hessenmetropole war bereits damals sehr gut erreichbar und eine der wenigen freien Städte des Deutschen Bundes. Alle Abgeordneten der Nationalversammlung unter einem Dach – nur die Paulskirche bot den entsprechenden Raum, dafür wurde sogar eine Fußbodenheizung installiert. Das Alles ist im kommenden Jahr auf besondere Weise erlebbar, z. B. beim „Demokratiefest“ 175 Jahre Jubiläum 2023 (18. bis 21. Mai 2023) oder im Rahmen von „Die Freiheitsbewegung von 1848“.

Die dazu buchbaren Rundgänge für Gruppen streifen die Stätten der Demokratie in der gesamten Stadt. Weitere Informationen: https://www.frankfurttourismus.de/Entdecken-und-Erleben/Feste-Veranstaltungen/demokratiefestaulskirchenversammlung1848. Neben den festen Angeboten für 2023 können alle Leistungen auch individuell kombiniert werden. So bietet sich insbesondere Frankfurts Umgebung für ein abwechslungsreiches Rundum-Angebot für Gruppen an.

Besonders beliebt sind die Schlösser und Burgen, Wanderwege, Weinproben auf Weingütern oder Brauereiführungen, die zum Teil als Erlebnisbausteine buchbar sind. Beim Thema Gastronomie kommt Frankfurts „Seele“ so richtig in Wallung. Denn die Stadt versteht sich als internationales Dorf, fast alle Nationalitäten der Welt finden hier ihren Platz. Entsprechend vielfältig geht es auch in der Gastronomie zu, die kurzen Wege werden beispielsweise genutzt, um sich auf Wochenmärkten oder in der Kleinmarkthalle auf einen Kaffee oder ein Glas Wein zu treffen. Und da sind Einheimische wie Touristen schnell auf einer Wellenlänge…

Das „tolle Jahr“ Frankfurt und die Demokratie

„Frankfurt war nie nur Handel und Geldgeschäft. 1848/49 war die Stadt Regierungssitz und Sitz des ersten deutschen demokratischen Parlamentes. Damals waren alle wesentlichen Vertreter der demokratischen Bewegung in der Stadt und tagten als Nationalversammlung in der Paulskirche. Dort entstand auch die erste Verfassung für Deutschland, die in Teilen auch in unserem heutigen Grundgesetz fortbesteht. Das „tolle Jahr“, wie es die Frankfurter nannten, ist eine der wichtigsten Episoden der deutschen Geschichte und Frankfurt bildete das Zentrum dieser Epoche“. Hannes Pflügner, Frankfurt-Gästeführer aus Leidenschaft und ausgewiesener Experte rund um das Demokratie-Thema (Foto Mitte).

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