Autonomer Elektrobus wird im Münchner Stadtverkehr getestet getestet

Der Pilotbetrieb des autonom fahrenden MAN Lion’s City 12 E mit ausgewählten Testnutzerinnen und
Testnutzern soll ab November starten (Foto: MAN Truck & Bus)

Was lange als Zukunftsvision galt, wird in München nun erlebbar: ein autonomer Linienbus im öffentlichen Nahverkehr. Im Forschungsprojekt MINGA haben MAN Truck & Bus und die Stadtwerke München (SWM) mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) unter der Konsortialführung des Mobilitätsreferats einen entscheidenden Meilenstein erreicht. Seit Anfang September dieses Jahres ist der automatisierte MAN Lion’s City 12 E erstmals auf der Linie 178 zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl unterwegs. Damit ist der 12 m lange Stadtbus, der von MAN und seinem Technologiepartner ADASTEC automatisiert wurde, erstmals für die Öffentlichkeit im Stadtverkehr sichtbar.

Der Bus wird derzeit noch von speziell geschulten Testfahrerinnen und Testfahrern von MAN und MVG begleitet. In den kommenden Wochen werden umfangreiche Streckendaten erfasst, um die Voraussetzungen für einen zunehmend autonomen Betrieb zu schaffen. Während des gesamten Projekts befindet sich jederzeit Sicherheitsfahrpersonal an Bord, das die Fahrzeugführung bei Bedarf unmittelbar übernehmen kann.

Mit dem autonomen 12-Meter-Bus gehe man einen wichtigen Schritt in Richtung eines regulären Einsatzes autonomer Fahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr. Nachdem seit Kurzem schon ein autonomer On-Demand-Shuttle in München unterwegs sei, werde nun ein weiterer wichtiger Meilenstein für die Weiterentwicklung der urbanen Mobilität gesetzt. Das Projekt MINGA zeige, wie Innovation direkt vor Ort entstehe und die Zukunft der Mobilität in München gestalte.

Die Erkenntnisse aus dem MINGA-Projekt seien für die MVG als Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs von großer Bedeutung. Sie helfen, die Einsatzmöglichkeiten autonomer Busse im öffentlichen Nahverkehr besser zu verstehen und deren Potenzial für Fahrgäste und Betrieb zu bewerten. Langfristig sehe man in autonomen Fahrzeugen die Chance, den ÖPNV noch attraktiver, flexibler und effizienter zu gestalten und so einen wichtigen Beitrag zur Mobilität der Zukunft zu leisten.

Die Linie 178 biete ideale Bedingungen für den Testbetrieb. Sie vereine unterschiedliche Verkehrssituationen, wie Hauptverkehrsachsen, Tempo-30-Zonen, Parkgebiete und Unterführungen. Damit sei das abwechslungsreiche Münchner Busnetz gut repräsentiert. Für den perspektivischen Linienbetrieb sei es von großer Bedeutung, die Tests möglichst praxisnah durchzuführen.

Strecke wird für das autonome Fahren digitalisiert

Im Rahmen der aktuellen Testfahrten werden die für den autonomen Betrieb erforderlichen Streckeninformationen gesammelt. Das sei nötig, da für autonomes Fahren eine hochauflösende und äußerst präzise Karte der Strecke benötigt werde.

Hierfür erfasst das Fahrzeug mit modernster Sensorik die Umgebung: Der Bus ist mit fünf LiDAR-Sensoren, sechs Radaren, acht Kameras und einer satellitengestützten Positionsbestimmung ausgestattet. Anhand dieser Daten integriert Technologiepartner ADASTEC anschließend relevante Straßen- und Verkehrsinformationen wie Ampeln, Zebrastreifen, Fahrspurverläufe und andere relevante Merkmale in eine hochauflösende digitale Karte (HD-Karte), die eine präzise Lokalisierung entlang der Route ermöglicht. Dies bildet die Grundlage dafür, dass der Stadtbus die Strecke in wenigen Wochen eigenständig und sicher befahren kann. Das Fahrzeug werde dabei u. a. selbst lenken, Gas geben, bremsen und blinken. Das Sicherheitsfahrpersonal bleibe dennoch jederzeit an Bord, um die Systeme zu überwachen.

Der MAN Lion’s City E sammelt derzeit kontinuierlich Daten und wird dabei für den geplanten automatisierten Betrieb weiter optimiert. Eine besondere Herausforderung sei neben der Technik auch die Größe des Fahrzeugs. Umso wichtiger sei ein vorsichtiges, zurückhaltendes Fahrverhalten. Denn neben der technischen Reife geht es im MINGA-Projekt auch darum, Vertrauen in die neue Technologie aufzubauen.

Testbetrieb unter realen Bedingungen

Voraussichtlich ab November starten MVG und MAN eine weitere Phase mit Testnutzerinnen und Testnutzern entlang der Linie 178. Dabei wird der Bus als zusätzliches Fahrzeug auf der bestehenden Linie eingesetzt und simuliert einen späteren Einsatz im regulären Linienbetrieb unter möglichst realen Bedingungen. In dieser Projektphase können ausgewählte Testnutzerinnen und Testnutzer im Rahmen einer geschlossenen Nutzergruppe mitfahren. Der Bus verfügt über rund 30 Sitzplätze sowie einen Rollstuhl- bzw. Kinderwagenplatz.

Vor dem Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr hat der automatisierte Elektrobus ein umfangreiches Testprogramm auf dem MAN-Gelände erfolgreich absolviert. Dazu gehörten die Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit sowie die Validierung sämtlicher Funktionen des automatisierten Fahrsystems des MAN-Partners ADASTEC in einer Vielzahl definierter Testszenarien. Oberste Prämisse war dabei, dass das an Bord befindliche Sicherheitsfahrpersonal jederzeit in der Lage sein muss, bei einem möglichen Systemfehler einzugreifen.

Auf dieser Basis wurden die erforderlichen technischen Prüfungen durch den TÜV und weitere Genehmigungsverfahren durchlaufen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) war dabei für die Erteilung der Betriebserlaubnis nach der AFGBV (Autonome-Fahrzeuge-Genehmigungs-und-Betriebs-Verordnung) zuständig. Damit seien alle regulatorischen Voraussetzungen für den jetzt gestarteten Testbetrieb im Münchner Straßenverkehr erfüllt.

Anmeldung zur Mitfahrt bereits möglich

Interessierte können sich bereits jetzt unter mvg.de/minga-anmeldung für eine Teilnahme registrieren. Über den konkreten Start der Mitfahrmöglichkeit informiert die MVG zu gegebener Zeit gesondert.

MINGA als Schlüsselprojekt für die Mobilität der Zukunft

Ziel des Unternehmens ist es, mit dem Einsatz von autonomen Bussen den öffentlichen Personennahverkehr der Zukunft effizienter, flexibler und nachhaltiger zu gestalten. So bieten autonome Systeme großes Potenzial zur Sicherstellung und Verbesserung des Mobilitätsangebots – vor allem im Hinblick auf wachsende Städte und einen zunehmenden Fahrermangel. Bereits seit Jahren arbeitet MAN an fahrerlosen Bussen. Die jetzt gewonnenen Erfahrungen aus dem Projekt fließen direkt in die Weiterentwicklung zukünftiger Fahrzeuggenerationen ein. Im Forschungsprojekt MINGA setzt MAN mit ADASTEC als Technologiepartner dabei auf einen spezialisierten Anbieter für automatisierte Fahrsysteme. Das Unternehmen entwickelt Softwarelösungen für automatisiertes Fahren auf SAE-Level 4 (vollautomatisierte Fahrzeuge) für Busse und Nutzfahrzeuge.

Hintergrund Das Forschungsvorhaben MINGA „Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons“ wird seit 2023 mit insgesamt 16 Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft umgesetzt. Das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München verantwortet als Konsortialführer das Gesamtprojekt. Ziel ist es, automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen in das bestehende Verkehrssystem zu integrieren und zentrale Fragestellungen zu Technik, Regulierung, Wirtschaftlichkeit, Barrierefreiheit und Betrieb zu beantworten. Gefördert wird das Projekt dabei bis Mitte 2027 mit rund 13 Mio. € durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Rahmen der Förderrichtlinie „Autonomes und vernetztes Fahren in öffentlichen Verkehren“. Weitere Informationen zum Projekt finden sich unter https://www.mvg.de/projekte/zukunftsprojekte/minga.html und muenchenunterwegs.de/minga.

Weitere Informationen
MAN Truck & Bus SE
D-80995 München
www.man.eu