Die Marke „Rembrandt“: Kultureller Herbstausflug ins Herzogliche Museum Gotha

Bild 1: Apostel Petrus, 1632 in Amsterdam gemalt, ist gesicherter, reinster Rembrandt (Leihgabe des Nationalmuseums Stockholm) (Foto: Anna Danielsson)

Vom 5. September 2026 bis zum 6. Dezember 2027 ist im Herzoglichen Museum Gotha die Ausstellung „Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke“ zu sehen.

Herzogliche Sammelleidenschaft

Das Interesse der Gothaer Fürsten an Kunst, Kunstgegenständen, kulturellen Artefakten war riesig. Es war der Stammvater der Dynastie, Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg, der im 17. Jh. auf Schloss Friedenstein die Kunstkammer begründete und vor allem befüllte. Sie ist quasi die „Stammzelle“ aller weiteren Kunstsammlungen – und die sind bedeutend, auch im Umfang. Kunstkammer und Schlossräume reichten nicht mehr, und so wurde im 19. Jh. am Fuße von Schloss Friedenstein das Herzogliche Museum erbaut, ein beeindruckendes, klassizistisches Gebäude, das zur Heimat der stetig weiter anwachsenden Sammlungen der Herzöge wurde. Ob ägyptische Mumien, antike Vasen, Skulpturen und Goldschmuck, chinesische und japanische Kunstschätze, die Sammelleidenschaft der Gothaer Fürsten war geradezu grenzenlos.

Rembrandt oder nicht Rembrandt, das ist hier die Frage

Eine besondere Liebe galt der niederländischen und deutschen Malerei, zur Sammlung gehören Bilder von Rubens, Lucas Cranach d. Ä., Caspar David Friedrich und eben auch beeindruckende Werke von Rembrandt – oder zumindest aus der Werkstatt. Die Rembrandt-Forschung der letzten Jahre liest sich teilweise wie ein Krimi: Was ist nun ein „echter“ Rembrandt? Das ist gar nicht so leicht zu sagen, was u. a. an der Arbeitsweise des Malers und der Zusammenarbeit mit anderen Künstlern in großen Werkstätten, am Ende in seiner eigenen, liegt.

„Branding“ im 17. Jahrhundert Untrennbar damit verbunden ist auch die Entstehung der Marke „Rembrandt“, einem Phänomen, dem das Herzogliche Museum (in Kooperation mit Schloss Wilhelmshöhe/Hessen Kassel Heritage) in der neuen Sonderausstellung nachgeht. Sie widmet sich einem besonderen Jahr in Rembrandts Schaffen: Es ist der Moment, in dem der Künstler selbstbewusst seine Signatur, das Monogramm RHL (Rembrandt Harmenszoon Leidensis) in das schlichte „Rembrandt“ änderte und aus Leiden nach Amsterdam zog, um in die Werkstatt Uylenburgh einzutreten. Sein Ziel: In die Gilde aufgenommen zu werden und seine eigene Werkstatt zu gründen, was 1634 auch geschah.

Bild 2: Nach der Rembrandt-Ausstellung im Herzoglichen Museum sollte man noch die
Besichtigung von Schloss Friedenstein einplanen. Hier im Bild der prachtvolle Festsaal
(Foto: Stiftung Friedenstein / Marcus Glahn)

Die Ausstellung stellt Werke aus dem Jahr 1632 in den Fokus und stellt Fragen: Wie sah die gemeinsame Arbeit in der Werkstatt aus? Wie konnte Rembrandt sich und seine Marke etablieren, unter der er bis heute in der ganzen Welt bekannt ist? Was nahm er auf, wo beeinflusste er? Und natürlich wird auch die große Frage diskutiert, die seit Jahren die Rembrandtforschung umtreibt: Was ist wahrer Rembrandt, was sein Umkreis, welche Impulse gab er, wer führte den Pinsel? In diese Diskussion passen besonders auch die sich in der Gothaeschen Sammlung befindlichen Werke, die ergänzt werden durch die Kassler Sammlung und zahlreiche weitere hochkarätige Leihgaben, z. B. aus Stockholm.

Abgerundet wird die Ausstellung durch einen Blick auf Produkte, die bis heute mit dem Namen „Rembrandt“ ihr Marketing betreiben, von Farben über Kleidung bis hin zu geistigen Getränken. Und einen partizipativen Laborbereich, in dem die Besucher selbst zu Forschern werden.

Kombinationsmöglichkeit: Schloss Friedenstein

Zu empfehlen ist die Kombination mit der Besichtigung von Schloss Friedenstein, in dem sich weitgehend unverändert die historischen Wohnräume erhalten haben. In den prachtvoll ausgestatteten Wohn- und Repräsentationsräumen aus Barock, Rokoko und Klassizismus befinden sich außerdem große Teile der weiteren herzoglichen Kunstsammlungen. Bitte beachten: Aufgrund von Restaurierungen sind derzeit nicht alle Räume des Westflügels zu besichtigen.

Weitere Informationen zur Ausstellung:  www.stiftung-friedenstein.de/der-friedenstein

Weitere Informationen für Gruppenreisen: www.stiftung-friedenstein.de/fuhrungen-fur-gruppen

Dorothea Kirschbaum