Bild 1: Kunst und Natur: Die Installation „Wir treffen uns im Wind“ des Künstlers Hayato Mizutani in Neuss (Foto: Thomas Mayer)
Der April machte auch 2026, was er will – und brachte neben beinahe sommerlichen Temperaturen die Eröffnung von gleich vier Landesgartenschauen. Neuss (NRW) begann den Blumenreigen, es folgten Ellwangen (Baden-Württemberg), Leinefelde-Worbis (Thüringen) und Bad Nenndorf (Niedersachsen).
Bis in den Oktober hinein laden die Städte zu zahlreichen Veranstaltungen, Feiern, Ausstellungen, Aktionen und einfach zum Besuch der jahrelang akribisch geplanten Landesgartenschauen (LGS) ein. Naturgemäß gibt es Gemeinsamkeiten: Die Blumen- und Pflanzenpracht in den Schaugärten und innovativen Parkanlagen, die vielseitigen Programme für alle Interessen und Altersgruppen sind die Attraktion im Hier und Jetzt. Als zukunftsweisende Projekte stehen die Gartenschauen außerdem für Nachhaltigkeit, Stadtentwicklung, das Miteinander von Mensch und Natur, die Verzahnung von urbanen Strukturen und Naturgebieten. Im Einzelnen bietet jede Schau eigene Highlights und Schwerpunkte.
16. April, Neuss. Bei strahlendem Wetter wurde hier der (symbolische) Startknopf gedrückt und die Landesgartenschau auf dem Gelände der alten Pferderennbahn eröffnet. Zwischen Innenstadt, Rhein und Hafen verkehrsgünstig und zentral gelegen ist die neue grüne Achse der Stadt bis zum 11. Oktober Schauplatz abwechslungsreicher Veranstaltungen. Es locken farbenprächtige Schaugärten und Blumenausstellungen, Spiel- und Sportareale, inspirierende Kunstobjekte eingebettet in die Natur. Ein besonderer Pluspunkt: Die Besucher gelangen schnell ins Zentrum und können eine Stadtbesichtigung anschließen, auch Rheinfahrten bieten sich an.
24. April, Ellwangen. Von NRW nach Süden: Bei schönem Frühlingswetter eröffnete eine gute Woche später die LGS in Ellwangen. Hier steht die Renaturierung der „Jagst“ im Mittelpunkt: Entlang des Flusses wurde ein ganzer Landschaftsraum neu gestaltet. Drei Parkanlagen mit unterschiedlicher Ausrichtung von urban (mit Skateanlage …) bis naturnaher Auenlandschaft sind entstanden. Auch hier ist das Gelände innenstadtnah, das Stadtzentrum ist zudem eingebunden in die Ausstellungen und über 2.000 Veranstaltungen finden bis zum 4. Oktober statt. Konzerte, Lesungen und mehrfach wechselnde Themenwochen sorgen für viel Abwechslung.
25. April, Leinefelde-Worbis. Nur einen Tag später die nächste Eröffnung, wieder mit viel Sonne und Tausenden Besuchern am ersten Wochenende. Unter dem anspruchsvollen Motto „Aussöhnung zwischen Stadt und Landschaft“ wurden ehemalige Garagenflächen und andere urbane Strukturen zurückgebaut, um neue Grünachsen und Landschaftsbänder entstehen zu lassen. Dabei kam es zu einem Attraktionsfund: Es wurden die archäologischen Überreste eines mittelalterlichen Dorfes freigelegt. Der Ausgrabungsort kann besichtigt werden, die „Wüstung Kirrode“ ist außerdem digital erfahrbar. In der Stadt entwickelte sich schon am ersten Tag der „Blumenblock“ zum Publikumsmagneten. In einem ehemaligen Wohnblock trifft „Platte“ auf Floristik, Kunst und Stadtgeschichte. Bis zum 11. Oktober ergänzen rund 1.700 Veranstaltungen die „Aussöhnung“ um Kultur-, Musik- und Mitmachprogramme.
29. April, Bad Nenndorf. Der Wettergott meinte es gut auch mit der vierten und letzten LGS-Eröffnung. In Bad Nenndorf steht das Zusammenspiel von Kurtradition und Landschaftserlebnis im Vordergrund. Herzstück ist die historische Kurparkanlage, in der nun neue Themengärten, kreative Wissensstationen und florale Inszenierungen entstanden sind und Gartenkunst, Bildung, Kultur und Freizeit miteinander verbinden. Über 1.500 Veranstaltungen – Lesungen, Ausstellungen, Musik-Bewegungsformen, Quiznächte und vieles mehr – finden hier bis zum 18. Oktober statt.
Nach der Eröffnung ist vor der Eröffnung: Die Blumenschauen 2027
Während die einen die Eröffnung hinter sich haben, laufen bei den Landesgartenschauen 2027 die Vorbereitungen auf Hochtouren. Nicht immer läuft es ganz optimal: Neustadt an der Weinstraße verschiebt auf 2028. Leichtgefallen ist das den Entscheidungsträgern nicht, aber bei diesen Vorhaben bestimmen eben auch Natur und Jahreszeiten die zeitliche Planung. Durch Verzögerungen im Bauablauf hätten wichtige Aussaaten und Bepflanzungen nicht rechtzeitig erfolgen können. Nun gibt es etwas mehr Zeit für die Neugestaltung eines ehemaligen Deponie- und Industrieareals, das ab 2028 zu einem neuen „Wow“-Ort für Neustadt werden soll.
2027 werden die Landesgartenschauen in Bad Windsheim, Wittenberge und Bad Urach und die Internationale Gartenschau Metropole Ruhr eröffnen. Bei allen grundsätzlichen Gemeinsamkeiten gibt es natürlich auch hier konzeptionelle Unterschiede.
Bad Windsheim rückt die Verbindung von Landschaft, Gesundheit und Entschleunigung in den Mittelpunkt. Unter dem Motto „#heilsam“ greift die fränkische Kurstadt ihr traditionelles Profil als Gesundheitsstandort auf und übersetzt es in ein gärtnerisches und städtebauliches Konzept. Die Schau läuft vom 29. April bis 3. Oktober 2027.
Als „längstes Sommerfestival zwischen Hamburg und Berlin“ bezeichnen die Veranstalter die Landesartenschau in der brandenburgischen Elbestadt Wittenberge vom 21. April bis 24. Oktober 2027. Sie steht unter dem Motto „Blühende Stadt – lebendige Ufer“. Die Elbe bestimmt das gesamte räumliche Konzept. Ehemalige Industrie- und Uferbereiche werden neu geordnet und stärker an die Innenstadt angebunden. Kulturelle und sommerliche Events sind ein wichtiger Baustein der Schau.
Ebenfalls mit Fokus Fluss, diesmal der Ems, aber weniger als Festival präsentiert sich die Gartenschau in Bad Urach vom 30. April bis 3. Oktober 2027. Ihre Besonderheit: Sie ist die erste Gartenschau Baden-Württembergs innerhalb eines UNESCO-Biosphärengebiets. Zentrales Element ist die Ems, die als Wasserachse Naturraum, Kurstadt und historische Altstadt miteinander verbindet. Entlang des Flusses entstehen neue Aufenthaltsbereiche und Grünräume: Orte für kreative Schaugärten, Gestaltungsideen und moderne Landschaftsarchitektur.
Und schließlich: die „IGA“, die Internationale Gartenausstellung Metropole Ruhr vom 23. April bis 17. Oktober 2027 mitihrem ganz besonderen Konzept und Format. Sie ist keine klassische Gartenschau an einem einzigen Standort, sondern als großräumiges Zukunftsprojekt einer ganzen Metropolregion weit verzweigt und quer über das Ruhrgebiet verteilt. Unter dem Leitgedanken „Wie wollen wir morgen leben?“ werden ehemalige Industrieflächen, Halden, Kanäle und urbane Räume neu interpretiert. Sogenannte „Zukunftsgärten“ in Duisburg, Gelsenkirchen und Dortmund bilden die zentralen Ankerpunkte, ergänzt durch weitere Projekte in Städten der Region. Natürlich gibt es auch ein umfangreiches Kultur- und Veranstaltungsprogramm, das die zentralen Themen wie Klimaanpassung, nachhaltige Stadtentwicklung und den Wandel ehemaliger Industriestandorte aufnimmt.
Dorothea Kirschbaum