Mit einer Reform der Führerscheinrichtlinie sollen junge Menschen künftig früher in den gewerblichen Personenverkehr einsteigen können (Foto: Adobe Stock / Africa Studio)
Angesichts des europaweiten Fahrermangels hat die Europäische Union eine Reform der Führerscheinrichtlinie auf den Weg gebracht. Ziel ist es u. a., den Zugang zum Beruf des Busfahrers zu erleichtern und jüngeren Menschen den Einstieg in die Branche zu ermöglichen. Für Busunternehmen könnte dies langfristig eine Entlastung bei der Personalgewinnung bedeuten.
Kernpunkt der Reform ist die Absenkung des Mindestalters für bestimmte Fahrerlaubnisklassen im Personenverkehr. Künftig sollen junge Menschen unter bestimmten Voraussetzungen bereits früher Busse führen dürfen als bisher. Gleichzeitig werden die Regelungen innerhalb der EU stärker harmonisiert, um die Mobilität von Berufskraftfahrern über Ländergrenzen hinweg zu erleichtern.
Besonders relevant für die Busbranche ist die geplante Verknüpfung der Führerscheinregelungen mit den Vorgaben zur Berufskraftfahrerqualifikation. Wer die entsprechende Ausbildung absolviert und die vorgeschriebenen Qualifikationen nachweist, soll früher als bisher im gewerblichen Personenverkehr tätig werden können. Die EU verfolgt damit das Ziel, mehr Nachwuchskräfte für den Beruf zu gewinnen und den wachsenden Personalengpässen entgegenzuwirken.
Der Fahrermangel zählt seit Jahren zu den größten Herausforderungen der europäischen Busbranche. Viele Unternehmen berichten über Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen, während gleichzeitig ein erheblicher Teil der heutigen Fahrer in den kommenden Jahren altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden wird. Die Reform könnte daher ein wichtiger Baustein sein, um den Beruf für junge Menschen attraktiver zu machen.
Branchenverbände begrüßen grundsätzlich die Bemühungen, den Zugang zum Beruf zu erleichtern. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass neben den Führerscheinregelungen auch die Arbeitsbedingungen, die Ausbildungskosten und die gesellschaftliche Wahrnehmung des Berufs eine entscheidende Rolle bei der Nachwuchsgewinnung spielen.
Für Reisebusunternehmen dürfte die Reform zunächst keine kurzfristigen Auswirkungen haben. Mittel- und langfristig könnte sie jedoch dazu beitragen, den Bewerberkreis zu erweitern und den Einstieg in den Fahrerberuf bereits in jüngeren Jahren zu ermöglichen. Ob sich daraus tatsächlich eine spürbare Entspannung auf dem Arbeitsmarkt ergibt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.Peter Strohbach
