Outdoor im Weinberg, Indoor im Weinkeller: Herbstliche Weintouren

Bild 1: Farbenpracht wohin das Auge reicht. Auch der Moselsteig lädt im Herbst zu Wanderungen
durch die Weinberge ein (Foto: Ulrike Peters / Mosellandtouristik)

Ein gutes Glas Wein ist in jeder Jahreszeit willkommen: Der leichte Weißwein an lauen Sommerabenden, der kräftigere Richtung Herbst, und dann beginnt für viele Weinliebhaber auch schon die Rotweinzeit. Was nicht heißt, dass man im Winter nicht „weiß“ und im Sommer nicht „rot“ trinken kann, und den Rosé gibt es ja auch noch. Alles natürlich in Maßen, und das Glas Wasser nicht vergessen, das (mindestens) jedes Glas Wein begleiten sollte. Der Herbst ist also beileibe nicht die einzige Zeit im Jahr, in der man Wein trinken kann – aber eine, die auf ganz besondere Weise mit dem Rebensaft verbunden ist. In vielen Weinregionen läuft bis Anfang Oktober noch die Weinlese, deren Beginn je nach Wetterlage und Reifegrad der Trauben, nach Rebsorte und Anbaugebiet variiert. Trauben für den Federweißer werden meist schon im Spätsommer geerntet, gefolgt von anderen frühreifen Rebsorten. Und dann beginnt natürlich die Weinbereitung.

Bild 2: Die reife Traube, fertig zur Lese (Foto: Dominik Ketz / Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH)

2026 begann die Lese besonders früh: in Baden und in der Pfalz mancherorts bereits in der zweiten Augustwoche, ca. eine Woche früher als in den vergangenen 5 Jahren. Das hat natürlich auch mit der Wetterlage, mit dem heißen und trockenen Sommer zu tun. In vielen Lagen wurden die Trauben früh reif, und dann auch noch fast gleichzeitig. Um nicht alle Fruchtsäure zu verlieren, mussten die Winzer früh und parallel ernten. Übrigens hängt die Reifung nicht nur von der Wärme, sondern auch von der Wasserversorgung ab: Ist es zu trocken, kann die Reifung sich auch verzögern.

Solche Details und vieles mehr können Weinliebhaber bei Veranstaltungen rund um Wein und Weinberg erfahren, die von vielen Weingütern angeboten werden. Weinenthusiasten können mancherorts sogar aktiv an der Lese teilnehmen: Wer eigenhändig die Trauben mit der Leseschere schneidet, auf Qualität untersucht, einzelne Beeren (unreife oder faule) heraustrennt, bevor sie im großen Bottich landen, schlicht den ganzen Tag im Weinberg verbringt, erfährt das Thema „Wein“ nochmal ganz neu. Bei Interesse an der eigenhändigen Lese empfiehlt es sich, frühzeitig zu buchen, am besten 6 bis 9 Monate im Voraus. Gleichzeitig sollte mit den Veranstaltern geklärt werden, welche Alternativen es bei zeitlichen Verschiebungen oder auch im Falle einer Schlechtwetterlage gibt.

Bild 3: Alles ist hergerichtet für Weinprobe und Brotzeit in der alten Kelterhalle des Barockschlosses Zeilitzheim im Fränkischen Weinland (Foto: Barockschloss Zeilitzheim)

Neben solchen speziellen Programmpunkten gibt es vielerorts geführte Weinbergwanderungen, Spazierfahrten auf Planwagen oder in Oldtimerbussen und Kellerführungen und/oder Verkostungen mit dem Winzer. Auch hier wird schnell deutlich, wieviel Arbeit in einem einzigen Glas Wein steckt. Zu Lese, Traubenverarbeitung und den weiteren Arbeitsschritten der Vinifikation kommen die Pflege der Anbauflächen und der Rebstöcke, stete Kontrollen, dauernde Beobachtung von Wetter und Klima und, und, und. Individuelle Weinproben und Veranstaltungen können meist ab einer bestimmten Gruppengröße (Mindestanzahl je nach Weingut zwischen 10 und 15 Personen) gebucht werden.

Bild 4: Kloster Eberbach blickt auf eine jahrhundertelange Tradition zurück. Hier lohnt sich nicht nur der Blick in den Weinkeller, sondern auch in die beindruckende Klosteranlage (Roto: Sven Moschitz / Kloster Eberbach

Viele Weingüter können auf eine lange Tradition zurückblicken und bieten nicht nur Weingenuss, sondern bestechen durch die Gesamtanlage. Besonders die alten

Klostergüter, darunter Kloster Pforta (Saale-Unstrut, Sachsen-Anhalt – hier gibt es auch die Möglichkeit der aktiven Lese), Kloster Eberbach (Rheingau, Hessen) oder die Vereinigten Hospitien Trier (Moseltal, Rheinlandpfalz) mit dem ältesten Weinkeller Deutschlands, sind schlicht sehenswert.

Bild 5: Weingut Schloss Hallburg im Fränkischen Weinland (Foto: Schloss Hallburg)

Und dann gibt es natürlich auch die Schlossanlagen, bspw. Schloss Johannisberg im Rheingau, das auch auf größere Gruppen eingerichtet ist. Ab einer Personenanzahl von 40 werden die Gruppen geteilt und sogenannte „Schlenderweinproben“ angeboten. Im Fränkischen Weinland bietet Schloss Hallburg Weinspaziergänge und Weinproben an (Busse können bis zur Burg hochfahren). Nicht weit entfernt befindet sich auch das Barockschloss Zeilitzheim, das ebenfalls Busgruppen für Weinproben und Brotzeiten in besonders stilvollem Ambiente empfängt. Überhaupt sind im „Weinparadies“ Franken Busgruppen willkommen. Informationen und Angebote gibt es bspw. auf www.weinparadies-franken.de.

Natürlich sind Weinbergwanderungen, Kellerführungen und Weinproben nicht nur auf den Herbst beschränkt. Es gibt Sommerfahrten und Sommerfeste oder Frühlingswanderungen. Im Spätherbst hat, der Jahreszeit entsprechend, das „Winterglühen“ mit Winzerglühwein Saison, bspw. bei den Fellbacher Weingärtnern (Neckar, Baden-Württemberg).

In Traben Trarbach lockt ein besonderes Angebot: Am 20. November eröffnet hier der Mosel-Wein-Nachts-Markt in der Traben-Trarbacher Unterwelt. Große Teile des Stadtkerns wurden schon vor Jahrhunderten unterkellert und können auch sonst im Jahr besichtigt werden. Zur Weihnachtszeit verwandeln sich die Gewölbe an den Wochenenden (Eintritt für Erwachsene: 5 Euro) in eine märchenhafte Weihnachtswelt, in der neben den klassischen weihnachtlichen Produkten natürlich auch der Moselwein im Fokus steht.

Bild 6: Der unterirdische Mosel-Wein-Nachts-Markt in Traben-Trarbach ist ein ganz besonderes Erlebnis in der Vorweihnachtszeit – und immer gut temperiert (Foto: G. Weyrich / Tourist Information Traben-Trarbach)

Aber so lange muss man nicht warten bis zu einem Ausflug in die deutschen Weinregionen. Noch ist Herbst, und da ist die Verbindung von aktivem Outdoor-Erlebnis in farbenfrohen Weinbergen mit einem ebenso gemütlichen wie genussreichen Indoor-Ausklang bei Wein und Imbiss einfach eine gute Kombination.

Dorothea Kirschbaum