Reisetrend „Coolcation“: Wo man in der Schweiz einen kühlen Kopf bewahrt

Bild 1: Schon beim Blick in die Gletscherschlucht der Rosenlaui (Region Bern) fühlt man förmlich den Sprühregen des eiskalten Gletscherwassers auf der Haut (Quelle: Schweiz Tourismus)

Die Idee der „Sommerfrische“, der Fahrt in kühle Regionen, um der Hitze zu entfliehen, ist nicht neu. Wer es sich leisten konnte, verbrachte schon in früheren Jahrhunderten die heiße Jahreszeit an Orten, die Erfrischung versprachen: Der Adel zog mit seinem Hofstaat ins Sommerpalais außerhalb der Stadt, bürgerliche Urlauber in die Kühle der Berge oder ans Meer, eher in den Norden als in den Süden. Stundenlanges Sonnenbaden war bis ins 20. Jahrhundert ohnehin nicht „in“, man zog den Schatten und eher ruhige Aktivitäten vor.

Steigende Temperaturen
Seit gut zwei Jahren nun erlebt der Gedanke der Sommerfrische ein Revival: „Coolcation“ hat die Reisebranche den aktuellen Trend getauft, der immer stärker wird. Reisende besuchen ganz bewusst Regionen, in denen ein gemäßigtes bis kühleres Klima herrscht. Ein Grund sind die immer deutlicher werdenden Auswirkungen des Klimawandels, die auch Einfluss auf die Reisepläne nehmen. Einheimische möchten den hohen Temperaturen zuhause entfliehen, Urlauber ziehen kühlere, oft nördlich gelegene Regionen dem heißer werdenden Süden vor.

Aktivurlaub
Ein weiterer Grund ist das zunehmende Interesse an sportlichen oder auch kulturellen Aktivitäten im Urlaub. Anstelle der reinen Entspannung am Strand, oft genug durch Hitze und drangvolle Enge ohnehin eher stressbeladen, treten Wandern, Fahrradfahren, Golfen und andere sportliche Betätigungen, die in den heißen Regionen in den Sommermonaten kaum noch möglich sind. Auch Ausflüge und Sightseeing können bei Temperaturen über 35°C zur Qual werden.

Also auf nach Skandinavien, Schottland, Island, vielleicht sogar in die Arktis? Tatsächlich sind dort die Buchungszahlen in den letzten Jahren gestiegen, wenn sie auch insgesamt dem klassischen Badeurlaub nicht den Rang ablaufen. Dennoch: Die Nachfrage steigt.

Wer nicht ganz so hoch in den Norden möchte, für den gibt es auch in Europas Mitte Möglichkeiten zur „Coolcation“. Manche Urlaubsziele werben mittlerweile ganz bewusst mit ihren „kühlen Attraktionen“.

Die Nase vorn haben höher gelegene Regionen, Gebirgslandschaften wie die Alpen oder auch manche Mittelgebirge. Nicht nur, weil es in höheren Lagen noch etwas kühler bleibt (Achtung: Die Sonneneinstrahlung ist trotzdem hoch!), sondern auch durch die geologischen Gegebenheiten. Täler, kühle Gebirgsseen, Gletscherbäche, Schluchten und Höhlen sind ein Erlebnis für sich und garantieren Abkühlung. Die Schweiz hat da einiges zu bieten.

Ab unter die Erde: Höhlen und Bergwerke
Zahlreiche Höhlen und stillgelegte oder sogar noch aktive Bergwerke können in der Schweiz besichtigt und erwandert werden. Die Temperatur liegt meist bei stabilen 8 °C: Da freut man sich über jeden Sonnenstrahl, wenn man wieder emportaucht. Eine Besonderheit sind die Höhlen bei Le Locle im „Jura & Drei-Seen-Land“. Hier begannen vor 400 Jahren die Bewohner, unterirdische Wasserläufe zu nutzen. Es entstanden Unterwassermühlen, die man heute besichtigen kann. Am Thunersee locken die ganzjährig begehbaren St. Beatus-Höhlen, die zu den größten Höhlen der Schweiz gehören. Ca. 1 km lang ist der kühlende Gang und führt vorbei an Tropfsteinformationen und Wasserfällen. Für Käsefans ist die „Käsegrotte“ der Molkerei Gstaad in der Region Bern ein besonderes Erlebnis: Bei angenehmen Temperaturen reifen hier über 3.000 Käselaibe.

Bild 2: Die St. Beatus-Höhlen, Beatenberg, sind Erlebnis und Abkühlung zugleich (Quelle: Schweiz Tourismus)

Ab ins Wasser: Coole Städte
Wer will nicht einmal im Rhein schwimmen? Möglich ist das in Basel, wo man sich, ausgestattet mit einem wasserdichten Schwimmsack (genannt „Wickelfisch“) ein Stück durch den Rhein treiben lassen kann. Auch in vielen anderen Schweizer Städten ist Abkühlung möglich. In Zürich, Genf, Luzern, Lugano und andernorts versprechen die „Badis“, die See- und Flussbäder, ganz besonderes Badevergnügen, beispielsweise im Anschluss an eine Wanderung oder eine Städtetour. Genf wartet mit zahlreichen Bädern entlang des Seebeckens auf, außerdem mit einem mittlerweile ikonischen „Badi“ im Stadtteil La Jonction, in dem Rhone und Arve zusammenfließen.

Vor dem Sprung ins kühle Nass empfiehlt sich in Genf übrigens noch ein Besuch des im Juni 2026 neu eröffneten (klimatisierten) Besucherzentrums der UNO, dem Portail des Nations. Die Ausstellung „Together“ führt durch die Welt der internationalen Zusammenarbeit. Die Besucher werden in 60 Minuten mittels szenografischer, visueller, akustischer und interaktiver Elemente durch die wichtigsten Etappen der internationalen Zusammenarbeit geführt.

Ab in die Schlucht: spritzige Wanderungen
Für Wanderfreunde sind die eindrucksvollen Schluchten der Schweiz das Richtige. Umgeben von Fels und feinen Wasserspritzern der Bergbäche ist es kühl genug, um auch anspruchsvolle Touren, z. B. durch die Verenaschlucht nahe Solothurn, zu planen. Eindrucksvoll ist auch die etwas weniger bekannte Gletscherschlucht Rosenlaui, die man sich in einem ca. 45-minütigen Rundgang (knapp 600 Meter und 200 Treppenstufen) erlaufen kann. Und natürlich der „Swiss Grand Canyon“, die Rheinschlucht in Flims in Graubünden, der mit gut ausgebauten Wanderwegen, Bikerouten, Kajak, Rafting und Baden den Aktivurlaub im Sommer möglich macht.

Coolcation in Deutschland
Diese Angebote sind nicht alle neu, doch ist es sicherlich nicht verkehrt, die coolen Programmpunkte in kühlen Regionen unter den neuen klimatischen Verhältnissen neu in den Blick zu nehmen. Nicht nur in der Schweiz: Auch in den angrenzenden Ländern gibt es Möglichkeiten, in kühleren Lagen zu wandern, die Welt unter Tage zu entdecken oder Seenlandschaften zu erkunden. Deutschlands Mittelgebirge sind durchzogen von malerischen Schluchten, z. B. im Schluchtensteig im Schwarzwald; in Bayern stehen die Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen oder die Höllentalklamm für Naturerlebnis pur, ebenso wie zahlreiche weitere Schluchten und Höhlen. Auch Bergwerke gibt es hierzulande, viele eindrucksvoll erschlossen, darunter das Salzbergwerk Berchtesgaden, das mit einer Grubenbahn und über die Bergmannsrutsche (alternativ: mit dem Aufzug) tief ins Stollensystem unter Tage hinunterführt. An Deutschlands Küsten kann es zwar auch warm werden, doch bleibt es für gewöhnlich immer noch ein wenig kühler als im Mittelmeerraum.

Fazit: Wer im Sommer die Kühle sucht, der findet sie – und mit ihr auch ganz besondere Reiseerlebnisse. Und wem der Sinn gerade nicht nach Natur pur steht: Auch die meisten Museen verfügen über sehr gute Klimaanlagen.