Ladeinfrastruktur, Netzkapazitäten und wirtschaftliche Rahmenbedingungen müssen mit dem politisch vorgegebenen Transformationstempo Schritt halten (Foto: Adobe Stock / mlangsen)
Die europäischen CO₂-Vorgaben setzen die Busbranche zunehmend unter Transformationsdruck. Während batterieelektrische Stadtbusse vielerorts bereits zum Alltag gehören, steht der Hochlauf emissionsfreier Überland- und Reisebusse erst am Anfang. Auf der „BMV-Fachkonferenz klimafreundliche Busse 2026“ machte Dr.-Ing. Marcus Bollig vom Verband der Automobilindustrie (VDA) deutlich, dass sich die Fahrzeugtechnik schneller entwickelt als die notwendigen Rahmenbedingungen.
Für Reise- und Überlandbusse gelten ambitionierte europäische CO₂-Reduktionsziele von minus 43 % bis 2030, minus 64 % bis 2035 und minus 90 % bis 2040. Gleichzeitig wurde der gesamte Bussektor erst 2024 vollständig in die CO₂-Regulierung aufgenommen. Besonders kritisch: Die Referenzwerte für die Hersteller werden bereits auf Basis des Zeitraums Juli 2025 bis Juni 2026 festgelegt.
Nach Einschätzung des VDA werden erste elektrische Reisebusse in den kommenden Monaten in Serie gehen. Bis 2030 sollen alle namhaften europäischen Hersteller entsprechende Fahrzeuge im Portfolio haben. Die Batterietechnologie orientiert sich dabei vielfach an Entwicklungen aus dem elektrischen Lkw-Bereich.
Allerdings sieht die Industrie derzeit weniger die Fahrzeugtechnik als vielmehr die Infrastruktur als größtes Hindernis. Während die Elektrifizierung kommunaler Busdepots bereits weit fortgeschritten sei, fehle es insbesondere entlang touristischer Routen, an Fernverkehrsachsen sowie an Zielorten an geeigneten Ladepunkten für Reisebusse.
Der VDA fordert deshalb eine stärkere Berücksichtigung des Reisebusverkehrs in der europäischen Infrastrukturplanung. Benötigt würden spezielle Ladeorte mit ausreichend Platz für große Fahrgastgruppen, sicheren Haltemöglichkeiten sowie ergänzender Infrastruktur wie Sanitäranlagen. Auch Förderprogramme für Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur müssten langfristiger und verlässlicher ausgestaltet werden.
Aus Branchensicht dürfte damit weniger die Frage entscheidend sein, ob emissionsfreie Reisebusse technisch verfügbar werden – sondern vielmehr, ob Infrastruktur, Netzkapazitäten und wirtschaftliche Rahmenbedingungen mit dem politisch vorgegebenen Transformationstempo Schritt halten können.
Peter Strohbach