Nürnberg erweitert sein NS-Dokumentationszentrum: Neuer Erinnerungsort mit hoher Relevanz für den Gruppentourismus

In der neuen Dauerausstellung wird die Geschichte von Nürnberg und den Reichsparteitagen chronologisch über vier Zeiträume hinweg in insgesamt sieben Kapiteln erzählt (Foto: Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände)

Mit einer neuen Dauerausstellung setzt das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg ein starkes Zeichen für moderne Erinnerungskultur – und schafft zugleich ein touristisch wie gesellschaftlich hochrelevantes Ziel für Gruppenreisen.

Nach mehrjährigem Umbau ist die neue Ausstellung seit Ende Mai zunächst im Probebetrieb geöffnet. Auf rund 1.600 m2 wird die Geschichte der nationalsozialistischen Reichsparteitage, ihrer Propaganda sowie der Umgang mit dem historischen Gelände bis in die Gegenwart neu aufgearbeitet.

Das Dokumentationszentrum befindet sich in der monumentalen, nie vollendeten Kongresshalle auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände – einem der bedeutendsten historischen Orte der NS-Zeit in Deutschland. Bereits jetzt gehört das Haus zu den meistbesuchten zeitgeschichtlichen Museen des Landes.

Neu ist vor allem der deutlich modernisierte Vermittlungsansatz: Interaktive Medien, großformatige Installationen sowie zahlreiche Originaldokumente und Objekte sollen Besucher stärker zum kritischen Umgang mit Geschichte anregen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auch auf aktuellen Herausforderungen wie Desinformation und KI-generierten Geschichtsfälschungen im Internet.

Darüber hinaus widmet sich die neue Ausstellung erstmals intensiver der Rolle des Geländes während des Zweiten Weltkriegs – etwa den Themen Zwangsarbeit und Deportation.

Für den Gruppentourismus dürfte die Wiedereröffnung auf großes Interesse stoßen. Nürnberg zählt bereits heute zu den wichtigsten deutschen Städtereisezielen im Bereich Geschichte und Erinnerungskultur. In Kombination mit der historischen Altstadt, dem Memorium Nürnberger Prozesse oder klassischen Kulturangeboten ergeben sich attraktive Programme für Bildungs-, Vereins- und Studienreisen.

Auch organisatorisch bietet das modernisierte Zentrum Vorteile: Neue Besucherbereiche, barrierearme Zugänge sowie moderne Veranstaltungs- und Bildungsräume sollen künftig größere Besucherströme besser aufnehmen können.

Gerade für Busreiseveranstalter zeigt sich damit erneut ein Trend, der sich seit einigen Jahren verstärkt: Historisch-politische Bildungsreisen entwickeln sich zunehmend zu einem festen Bestandteil des Gruppentourismus – insbesondere bei Vereinen, Schulen, Volkshochschulen und kulturinteressierten Reisegruppen.

Peter Strohbach