Ob der Förderansatz für Reisebusse wieder steigt, wird am 12. November im
Haushaltsausschuss entschieden (KI-generiert)
Vier schriftliche Stellungnahmen von RDA, bdo, Flix und TU Berlin, 42 Seiten, eine Stunde Anhörung. Der Tourismusausschuss hat am 7. Oktober so viele Zahlen zur Bustouristik bekommen wie seit Jahren nicht. Sie reichen von geschätzt 46 Mio. Fahrgästen im Gelegenheitsverkehr bis zu sieben Standorten mit Megawatt-Ladesystem. Ob der Förderansatz für Busse wieder steigt, wird nicht im Sitzungssaal 4.600 vorentschieden, sondern im Haushaltsausschuss am 12. November.
Die Ausschussdrucksachen 21(20)83 bis 86 enthalten vier schriftliche Stellungnahmen voller Kennzahlen. Der Ausschuss hatte die Anhörung im Juni selbst beschlossen, ohne Antrag als Beratungsgegenstand. Die Meldung des Bundestags gibt keine Frage eines Abgeordneten wieder; die Sitzung ist als Video dokumentiert, ein Wortprotokoll lag für diese Auswertung nicht vor. Was vorliegt, sind die Stellungnahmen, Verbandsrechnungen und Statistiken, jedoch keine Beschlüsse. Und die haben es in sich.
Die Lage: zwei Verbände, zwei Zahlenreihen
Der RDA Internationaler Bustouristik Verband rechnet in der Stellungnahme seines Präsidenten Benedikt Esser mit der Reiseanalyse. 2025 gab es 2,92 Mio. Busurlaubsreisen ab fünf Tagen, 22 % weniger als 2019. Eine Reise kostete 1.081 € statt rund 800 €, ein Plus von 35 % bei einer allgemeinen Teuerung von 22,5 %. Ins Ausland führen 73 % der Reisen. Der bdo Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen legt mit seiner Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard die Zahlen des Bundesamts für Logistik und Mobilität daneben: 77,2 Mio. Fahrgäste im Gelegenheitsverkehr 2019, geschätzt 46,3 Mio. 2025, und nach der Mittelfristprognose 2029 nur 45,7 Mio. Der RDA zitiert Destatis für 2024 mit 2.559 Unternehmen im Gelegenheitsverkehr, 14 % weniger als 2019, wegen geänderter Erhebung nur eingeschränkt vergleichbar. Dazu kommen 10.335 Busse nur im Gelegenheitsverkehr und 14.814, die Linie und Gelegenheitsverkehr mischen. Weniger Betriebe, rund 10 % mehr Busse, 32 % weniger Kilometer: Laut RDA fährt also jeder Bus weniger.
Philipp Kürschner von Flix nannte die Lage grundsätzlich solide und den Kraftstoff, in normalen Zeiten rund 20 % der Gesamtkosten, als Belastung. Für Busunternehmer heißt das: Die Abgeordneten haben jetzt zwei Zahlenreihen, die sich nicht widersprechen. Die Geschäftslage ist bei der Hälfte der Betriebe stabil, bei gut einem Viertel schlechter, und der Markt ist bereinigt. Rund 40 % des Volumens fehlen. Wer Förderung oder Steuersenkung fordert, muss sagen, welches der beiden Probleme er lösen will.
Elektroreisebus: Faktor 1,9 und sieben Standorte
Bei den Kosten des Elektroreisebusses lagen die Schätzungen nah beieinander, bei der Wirtschaftlichkeit nicht. Ab 2030 müssen neue Reise- und Überlandbusse nach der VO (EU) 2019/1242 in der Fassung von 2024 im Herstellerdurchschnitt 43 % weniger CO2 ausstoßen, ab 2035 64 %. Ein Elektroreisebus kostet nach der Rechnung des RDA das 1,9-Fache eines Dieselbusses, 760.000 statt 400.000 €. Eurabus-Geschäftsführer Thomas-Christian Seitz hielt dagegen: Auf stark befahrenen Strecken wie Berlin bis Hamburg seien Elektrobusse schon heute wirtschaftlich, ab drei bis vier Jahren könne sich die Anschaffung rechnen, weil die Verbrauchskosten beim derzeit hohen Dieselpreis 30 bis 60 % niedriger lägen. Der RDA hält mit einer Fernreiseetappe über rund 800 km und einem Hotel ohne Ladepunkt dagegen.
Der RDA trägt die Infrastrukturzahlen zusammen: Ende April 2026 gab es 355 öffentliche Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge in Deutschland, Megawatt-Laden im Juli an sieben Standorten. Für das Lkw-Schnellladenetz sind rund 350 Rastanlagen vorgesehen; 124 unbewirtschaftete sind vergeben, die Ausschreibung für 227 bewirtschaftete soll im November beginnen. Nach einer Umfrage des bdo haben 89 % der Betriebe in der Bustouristik keine eigene Lade- oder Tankinfrastruktur. Der Förderaufruf 2026 hatte mit der dritten Säule ein eigenes Fach für Reise- und Fernbusse, nach Angaben des RDA mit bis zu 70 % der Mehrkosten. Im Regierungsentwurf sinkt der Ansatz im Klima- und Transformationsfonds für Busse mit alternativen Antrieben 2027 von 403 auf 130 Mio. €; bdo und Flix kritisieren das. Der Titel finanziert vor allem Linienbusse; ob 2027 wieder eine eigene Säule für Reise- und Fernbusse kommt, legt erst der nächste Förderaufruf fest. Der RDA stört sich zudem an der Bedingung, geförderte Busse überwiegend in Deutschland einzusetzen; bei 73 % Auslandsreisen passe das nicht.
Operativ bedeutet das: Wer für den Bundesaufruf 2026 keine Skizze eingereicht hat, kann in dieser Förderlinie nur auf den nächsten Aufruf warten. Ob es ihn in nennenswerter Größe gibt, hängt am Haushalt 2027.
Die Stadt: eine Simulation im Ausschuss
Zur stadtverträglichen Abwicklung lag dem Ausschuss diesmal eine konkrete Zahlenbasis vor, wenn auch nur für Berlin. Die TU Berlin hat unter Kai Nagel den Reisebusverkehr der Hauptstadt in einer agentenbasierten Simulation durchgerechnet. In der Simulation steigen Fahrleistung und CO2-Ausstoß um 17 und 15 %, wenn alle Busse auf vier Großparkplätze außerhalb der Innenstadt verwiesen werden. Ein Verbot des Haltens auf der Fahrbahn ohne neue Haltepunkte verlängert den Fußweg der Gäste von 60 auf 660 m. Wird das Angebot an Halte- und Parkplätzen verdoppelt und mit einem Reservierungssystem verbunden, sinken die Leerfahrten um fast 60 %. Flix ergänzte die Fernbusseite: An den fast 300 Haltestellen reisen 75 % der Fahrgäste mit dem ÖPNV an.
Was jetzt zählt
Den ermäßigten Umsatzsteuersatz für Gelegenheits- und Fernlinienverkehr fordern wie 2022 der bdo und Flix. Der bdo will die Energiesteuerentlastung für ÖPNV-Diesel von rund 5,4 Cent je Liter auf Reisebusfahrten ausdehnen, nach eigener Rechnung für deutlich unter 20 Mio. € im Jahr, und hält an seiner Forderung nach einem Gewerbediesel fest. Der RDA will, dass die Kommission bei ihrer Überprüfung der Flottengrenzwerte bis Ende 2027 prüft, wie HVO100 angerechnet werden kann. Beide Verbände kündigten eigene Zahlenwerke an: der bdo eine Studie zur Wertschöpfung des Bustourismus, der RDA eine europaweite Ladebedarfsanalyse aus mehr als 65.000 Katalogreisen.
Damit sind die Fristen klar. Der Haushaltsausschuss berät den Verkehrsetat am 4. November; der Klima- und Transformationsfonds mit dem Bustitel wird erst in der Bereinigungssitzung am 12. November aufgerufen, die Schlussabstimmung im Bundestag folgt am 27. November. Wer den Bustitel verändern will, muss bis zur Bereinigungssitzung vor allem einen Haushälter überzeugt haben, nicht nur einen Tourismuspolitiker. Ob die Anhörung wirkt, zeigt sich daran, ob der Tourismusausschuss dem Haushaltsausschuss bis zum 12. November eine gutachtliche Stellungnahme zuleitet. Danach ist der Haushalt bereinigt.
Roman Müller-Böhm
