RDA Präsident Benedikt Esser mit Anja Karliczek (CDU/CSU), Vorsitzende des Ausschusses für Tourismus des Deutschen Bundestages
Präsident Benedikt Esser verlangt in der Anhörung zur Bustouristik Ladepunkte in den Destinationen, risikogerechte Beiträge im Reisesicherungsfonds und mehr Entsorgungsstellen
Köln, 09.10.2026 – Der RDA Internationaler Bustouristik Verband hat in der öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Tourismus des Deutschen Bundestages eine technologieneutrale Antriebswende für Reisebusse gefordert. RDA Präsident Benedikt Esser sprach am 7. Oktober in Berlin als Sachverständiger. Er machte deutlich, dass die Branche den Klimaschutz unterstützt. Der E-Reisebus passt unter den heutigen Bedingungen aber nicht zum Fahrprofil der Bustouristik.
Nach den europäischen Flottengrenzwerten müssen neue Reisebusse ab 2030 rund 43 Prozent weniger CO2 ausstoßen. Ein E-Reisebus kostet jedoch fast doppelt so viel wie ein Dieselbus und seine Restwerte sind unklar. Vor allem fehlt die Ladeinfrastruktur. In Deutschland bieten bisher nur 7 Standorte Megawatt-Laden an, geplant sind rund 350. An Hotels und Ausflugszielen gibt es kaum Ladepunkte für Busse. Mit den heutigen Reichweiten lassen sich viele Busreisen im Rahmen der Lenk- und Ruhezeiten nicht durchführen. „Wir brauchen eine europaweite Ladeinfrastruktur, nicht nur an Autobahnen, sondern auch in den touristischen Kapillaren unserer Destinationen, ausgelegt auf die Kapazität unserer Saisonspitzen. Davon ist nichts zu sehen“, sagte Esser.
Als Brücke für die vorhandene Flotte setzt der RDA auf den erneuerbaren Kraftstoff HVO100 aus Abfall- und Reststoffen. Er senkt die Treibhausgasemissionen sofort um rund 89 Prozent, ohne neue Fahrzeuge und ohne Ladepunkte. Der Verband fordert, HVO100 bei den Flottengrenzwerten für Reisebusse anzurechnen.
Beim Deutschen Reisesicherungsfonds setzt sich der RDA für Entgelte nach dem tatsächlichen Risiko ein. Der Reisebus ist während der gesamten Reise bei der Gruppe. Muss ein Veranstalter Insolvenz anmelden, bringt der Bus die Gäste nach Hause, ohne dass zusätzliche Kosten für die Rückholung entstehen. „Das Repatriierungsrisiko einer Busreise in den Harz ist viel niedriger zu bewerten als das einer Flugfernreise“, so Esser. Kleine Veranstalter sollen außerdem bei Meldepflichten und Nachweisen entlastet werden.
Ein weiteres Anliegen sind Entsorgungsstationen für Bordtoiletten. An den Rastanlagen gibt es sie bisher nur vereinzelt. Der RDA schlägt vor, die Stationen beim Bau des Lkw-Ladenetzes an den Rastanlagen gleich mit einzuplanen. „Die Toilette im Reisebus muss funktionieren, dafür benötigen wir mehr Entsorgungsstellen an Autobahnen und Fernstraßen“, sagte Esser.
Die Bustouristik ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Busreisende geben jährlich rund 5,9 Milliarden Euro für ihre Reisen und am Reiseziel aus. Mehr als die Hälfte der Gäste ist 70 Jahre oder älter. Für sie ist der Reisebus oft der Weg zu Urlaub, Kultur und Begegnung.
Über den RDA
Der RDA Internationaler Bustouristik Verband e.V. mit Sitz in Köln wurde 1951 gegründet. Der Verband hat rund 2.200 direkte und korporative Mitglieder. Als führender internationaler Fachverband für die Bus- und Gruppentouristik in Europa engagiert sich der RDA für bessere Rahmenbedingungen der gesamten Branche.
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