Adventszauber von Kiel bis Dresden

Bild 1: Blick auf den klassischen Weihnachtsmarkt der Hansestadt Bremen (Foto: Bremer Touristik-Zentrale)

Alle Jahre wieder: Der Asphalt flimmert, das Büro gleicht einer Sauna, schon der Gedanke an Bewegung bei gefühlten und tatsächlichen Temperaturen weit über 30 °C lässt einen innerlich zusammenbrechen. In dieser Situation, bei laufendem Ventilator (wenn noch einen ergattert) und in sommerlicher Kleidung geht es an den Feinschliff der Planungen für Herbst, Winter und Weihnachten.
Kaum zu glauben, aber die Zeit der Mützen und Handschuhe kommt wieder, schneller als man denkt, und damit auch die Lust auf Glühwein, Punsch, gebrannte Mandeln, Feuerkörbe und Lichterketten. Spätestens Ende November, wenn die ersten Weihnachts-, Christkindls- und Lichtermärkte eröffnen. Und schon jetzt vertreibt die Vorstellung angenehm frostiger Adventsabende, weihnachtlicher Klänge, kalter Nasen und Tannenduft die Gedanken an die aktuelle oder nächste Hitzewelle – jedenfalls ein bisschen.

Mehr als 2.300 Weihnachtsmärkte sind 2026 in Deutschland geplant
Keine Frage, Weihnachtsmärkte gehören im Winterprogramm dazu. Aber wohin? Die Auswahl fällt nicht leicht bei 2.329 Weihnachtsmärkten, die für 2026 allein auf „deutsche-weihnachtsmaerkte.de“ gelistet sind. Die „Dunkelziffer“ dürfte noch höher liegen.
Traditionell, romantisch, mittelalterlich, märchenhaft, maritim, städtisch, ländlich, mit Lichterzauber, Kunsthandwerk, Weihnachtskonzerten, Kirmesfeeling – das Angebot ist riesig.

Nürnberg – der Weihnachtsmarkt an sich
Zu den absoluten Klassikern gehört natürlich der weltberühmte Nürnberger Christkindlesmarkt. Auf der Empore der Frauenkirche stehend spricht alljährlich das Nürnberger Christkindl seinen feierlichen Prolog – und dann erstrahlen 180 Buden im festlichen Glanz des Lichterschmucks. Von traditioneller Weihnachtsdekoration bis hin zu modernen, handgefertigten Kunstwerken reicht das vielfältige und hochwertige Angebot, kulinarisch bleiben keine Wünsche offen. Atmosphärisch, trubelig – und manchmal auch ganz schön voll ist es hier. Dennoch, wer im Süden, in Franken unterwegs ist, sollte sich Nürnberg nicht entgehen lassen.
Klar ist aber auch: für stimmungsvolle Adventsausflüge müssen es nicht immer die bekanntesten Namen sein, und man muss auch nicht in Bayern bleiben, wenn das auch bei 443 gelisteten Märkten verlockend ist. Wir suchen den Kontrast – und springen vom fränkischen Hauptmarkt in die Nordhälfte Deutschlands zu Küstenflair, Waldwegen und historischen Höfen. Erste Station: Schleswig-Holstein.
Kiel: Weihnachten mit einer Prise Ostsee
In Kiel verteilt sich die Adventsstimmung gleich auf mehrere Plätze der Innenstadt. Der traditionsreiche Markt auf dem Holstenplatz verbindet Kunsthandwerk, Punsch und kleine Leckereien, während das Weihnachtsdorf auf dem Rathausplatz deutlich nordischer auftritt: skandinavisch anmutende Holzhütten, ein historisches Karussell und der fliegende Wichtel Ki(e)lian sorgen für einen charmanten Gegenentwurf zum üblichen Budenzauber. Der Wintermarkt am Bootshafen betont die maritime Seite Kiels, am Bahnhof steht ein 50 m hohes Riesenrad, das Stadtwerke Eisfestival am Germaniahafen mit überdachter Eisbahn sorgt 8 Wochen lang für winterliches Vergnügen.
Die verschiedenen Standorte liegen nah beieinander und lassen sich bei einem winterlichen Stadtspaziergang miteinander verbinden. Ein vielseitiges Angebot mit einem Hauch Hafenluft.

Öffnungszeitraum: 19. November bis 23. Dezember
Webseite: www.kieler-weihnachtsmaerkte.de

Bremen: Doppelte Bescherung an der Weser
Von der Kieler Förde geht es an die Weser – Hafenluft auch hier, aber doch ganz anders. Bremen spielt in der Adventszeit gleich zwei Trümpfe aus. Der Schlachte-Zauber an der in blaues Licht getauchten Weserpromenade entführt seine Gäste ins Mittelalter: Das „Dorf der Fogelvreien“ lockt die Besucher an seine Feuerstellen – Handwerk und „Spezereien“, Gewürze und Düfte stehen im Mittelpunkt. Met oder Fruchtwein sind eine willkommene Abwechslung zum allgegenwärtigen Glühwein. Freibeuterflair liegt in der Luft. Eröffnet wird der Schlachte-Zauber am 23. November mit einem Feuerwerk.
Über die Böttcherstraße kommt man zum klassischen Weihnachtsmarkt der Hansestadt
rund um Rathaus, Roland und die Kirche „Unser Lieben Frauen“. Das ist historisches Ambiente pur vor der wunderbaren UNESCO-Welterbe-Kulisse, die kaum besondere Dekoration benötigt. Die Buden warten mit Kunsthandwerk, Bremer Spezialitäten und nachhaltigen Produkten auf – wer Geschenke sucht, der findet. Eine Besonderheit sind zudem die weihnachtlichen Führungen, die auch für Gruppen angeboten werden.

Öffnungszeitraum: 23. November bis 23. Dezember
Webseite: www.bremen.de/tourismus/kultur/weihnachtsmarkt-und-schlachte-zauber

Velen: Eine Million Lichter im Wald
Eine ganz andere Welt erwartet die Besucher beim Velener Waldweihnachtsmarkt auf dem Landgut Krumme im Münsterland. Der Name ist Programm: Traditionelle Weihnachtsmarktromantik trifft auf eine einzigartig illuminierte Waldlandschaft. Der Marktbesuch wird zum Abendspaziergang durch ein funkelndes Weihnachtswunderland – eine Million Lichter sollen es sein. Die Stände warten mit hochwertigem Kunsthandwerk, regionalen Köstlichkeiten und weihnachtlichen Geschenkideen auf.
Der Markt hat an den Adventswochenenden von Freitag bis Sonntag jeweils zwischen 11 und 20 Uhr geöffnet – für den vollen Lichterglanz sollte man eher am späten Nachmittag kommen. Der Eintritt ist kostenpflichtig, Tickets gibt es ab 12 € für Erwachsene. Es gibt auch Gruppenangebote.

Öffnungszeitraum: 27. bis 29. November, 4. bis 6. Dezember, 11. bis 13. Dezember und 18. bis 20. Dezember
Webseite: www.waldweihnachtsmarkt.com, www.waldweihnachtsmarkt.com/gruppen-busse

Bild 2: Eingang zum Weihnachtsmarkt vor historischer Kulisse in Braunschweig (Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH / Christian Bierwagen)

Braunschweig: Lichterglanz rund um Burg und Dom
Der nächste Tipp liegt in Niedersachsen: In Braunschweig zieht sich der Weihnachtsmarkt rund um den Dom St. Blasii, die Burg Dankwarderode und den berühmten Burglöwen. Zwischen Burgplatz, Domplatz und Burggraben entsteht ein geschlossenes Ensemble, besonders stimmungsvoll am beleuchteten Burggraben. Rund 140 liebevoll gestaltete Stände bieten ihre Produkte an. Kulinarische Besonderheiten sind regionale Spezialitäten wie „Braunkohl“ (regional für Grünkohl) und „Mumme-Glühwein“ (ein Malzextrakt bzw. malzhaltiges Getränk), Handwerk und Kunsthandwerk sind vertreten.
In diesem Jahr wird in Braunschweig auch das 800-jährige Domjubiläum begangen, ab dem 13. November lädt das Landesmuseum zur Ausstellung „Dom 800“ ein – eine schöne Kombination in der Vorweihnachtszeit.
Die Stadt denkt übrigens auch an den Bustourismus: Vom 26. November bis zum 23. Dezember gelangen Reisebusse direkt bis vor die Tore des Marktes. In der Münzstraße sind Kurzzeit-Haltestellen zum Aussteigen eingerichtet.

Öffnungszeitraum: 25. November bis 29. Dezember
Webseite: www.braunschweig.de/weihnachtsmarkt/index.php

Bild 3: Wer dem vorweihnachtlichen Innenstadttrubel entgehen will ist genau richtig auf dem romantisch-festlich erleuchteten Schloss und Gut Liebenberg (Foto: DKB Stiftung / Steven Ritzer)

Liebenberg: Advent auf Schloss und Gut
Weiter östlich, im Löwenberger Land nördlich von Berlin, liegt Schloss und Gut Liebenberg und setzt auf eine andere Größenordnung: weniger Innenstadttrubel, mehr Landpartie. Im festlich beleuchteten historischen Ensemble von Schloss, Gutshof, Park und Kirche entfaltet sich eine Adventsatmosphäre wie sie im Buche steht. An den mehr als 120 Ständen und Hütten werden handgemachte Produkte aus kleinen Manufakturen angeboten, auch die Eigenprodukte des Gutshofes können hier erstanden werden.
Feuerstellen sorgen für Wärme und Gemütlichkeit, Chöre, Turmbläser und Instrumentalmusik (live und nicht vom Band) für eine vorweihnachtliche Stimmung, die große Citymärkte oft nur versprechen. Der Liebenberger Weihnachtsmarkt findet an allen Adventswochenenden jeweils Samstag und Sonntag von 12 bis 19 Uhr statt. Klein und exklusiv – Tickets gibt es ab 9 €.

Öffnungszeitraum: 27. bis 29. November, 4. bis 6. Dezember, 11. bis 13. Dezember und 18. bis 20. Dezember
Webseite: www.schloss-liebenberg.de/veranstaltungen/liebenberger-weihnachtsmarkt/

Jena: Turmblasen trifft Mittelalter
Zurück in die Stadt: Jena verbindet gleich zwei Adventswelten. Auf dem zentralen Weihnachtsmarkt rund um den Marktplatz gehört das tägliche Turmblasen zu den besonderen Momenten. Ein Stück weiter, zwischen Johannistor und Pulverturm, führt der Historische Weihnachtsmarkt zurück in die Vergangenheit: Traditionelles Handwerk, folkloristische Klänge, Bogenschießen, Schmiedekunst, Feuershows und Ritterschaukämpfe beleben das alte Stadtmauerensemble. Mittelalterfeeling pur.

Öffnungszeitraum: 25. November bis 22. Dezember (Jenaer Weihnachtsmarkt),
26. November bis 13. Dezember (Historischer Weihnachtsmarkt zu Jena)
Webseite: www.jenakultur.de/de/maerkte_und_stadtfeste/weihnachtsmarkt/605603

Dresden: Erst Striezel, dann Stallhof
Das gibt es auch in Dresden, eine Stadt, die natürlich in Sachen Weihnachtsmarkt kein Geheimtipp ist. Der berühmte Striezelmarkt auf dem Altmarkt gilt als ältester Weihnachtsmarkt Deutschlands und steht für sächsische Adventstraditionen, kunstvoll gestaltete Stände und natürlich Dresdner Christstollen. Aber es gibt noch mehr: Wenige Meter vom Striezelmarkt entfernt, auf der Rückseite des weltberühmten „Fürstenzuges“, ist im Stallhof ein eindrucksvoller Kontrast zu erleben. Die Mittelalter-Weihnacht verzichtet auf Plastik und Dauerbeschallung aus Lautsprechern, elektrisches Licht wird sparsam eingesetzt. Rund 50 Krämer bieten ihre Waren an, Gaukler und Musiker sorgen für Musik und mittelalterliche Attraktionen. Für den Stallhof wird Eintritt erhoben – dafür bekommt man weniger Weihnachtsmarkt von der Stange und mehr sorgfältig inszenierte Zeitreise.
Apropos Inszenierung: Wer noch nicht da war, sollte einen Besuch der frisch restaurierten, im Frühling neu eröffneten Festetage des Residenzschlosses mit einplanen. Die neue Dauerausstellung „Masken und Kronen. Festkultur und Machtrepräsentation am Dresdner Hof“ zeigt eindrücklich die (Selbst-)Inszenierung des Fürstenhofs.

Öffnungszeitraum: 25. November (Eröffnung) von 16 bis 21 Uhr; 26. November bis 23. Dezember täglich 10 bis 21 Uhr (Striezelmarkt), 25. November bis 23. Dezember täglich 11 bis 21:30 Uhr (Mittelalter-Weihnacht)
Webseite: www.striezelmarkt.dresden.de, www.mittelalter-weihnacht.de

Welchen Markt hätten ’s denn gern?
Klassisch in Nürnberg und Braunschweig, maritim mit Schuss in Bremen und Kiel, märchenhaft in Liebenberg, leuchtend in Velen oder mittelalterlich in Dresden und Jena: Die deutsche Weihnachtsmarktlandschaft ist vielfältig und ganz verschieden. Besondere Orte, eine überzeugende Idee oder die richtige Mischung aus Geschichte und Atmosphäre machen das gewisse Etwas aus – und runden Reisen in der Adventszeit mit einem außergewöhnlichen Erlebnis ab.
In der nächsten Ausgabe von BUSMAGAZIN digital schauen wir genauer in Deutschlands Südhälfte. Und ja, der Gedanke an die Vorweihnachtszeit, an klamme Finger, kalte Nasen und frostige Abende hat die Temperatur im Raum gefühlt um 5 Grad sinken lassen.

Dorothea Kirschbaum