Burgenromantik und Königsträume

Bild 1: Blick auf die Gesamtanlage der unzerstörten Höhenburg Marksburg mit ihrem charakteristischen Bergfried (Quelle: Deutsche Burgenvereinigung e. V.)

Mit rund 25.000 Burgen, Schlössern und Festungen, darunter perfekt erhaltene wie Neuschwanstein oder malerisch-ruinöse wie der Drachenfels, besitzt Deutschland eine der höchsten Burgendichten Europas. Dies bedeutet nicht nur eine fast unerschöpfliche Anzahl möglicher Ziele und Programmpunkte für Busreisen, sondern auch größtmögliche Vielfalt und Variation. Von der mittelalterlichen, rustikalen Wehranlage über Renaissancebauten bis zur klassizistischen oder phantastisch-romantischen Ausgestaltung des 19. Jahrhunderts ist alles dabei. So kann bei der Programmgestaltung auf individuelle Interessen und verschiedene Zielgruppen eingegangen werden: Hier mit stärkerem Schwerpunkt auf Geschichte und höfisches Leben, dort auf architektonische und kunsthistorische Bedeutung und Ausstattung. BUSMAGAZIN digital stellt drei verschiedene Anlagen vor – und hat einen besonderen Tipp für die Eifel.

Im großen, aber kleinteiligen „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“ errichtete so gut wie jeder weltliche und geistliche Herr Burg oder Schloss. Sie dienten der Machtsicherung und Zollkontrolle, aber auch der Repräsentation. Im Laufe der Zeit wurden viele Burgen wieder verlassen oder zerstört, andere ab der Renaissance und dem Barock zu repräsentativen Residenzen umgewandelt. Das romantische 19. Jh. entdeckte die Rheinlandschaft neu – Ruinen wurden restauriert oder historisierend wiederaufgebaut. Besonders hoch ist die Burgendichte im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal: Auf die gut 65 Rheinkilometer zwischen Koblenz und Bingen kommen 40 Befestigungsanlagen, darunter jedoch nur wenige im originalen Zustand.

Oberes Mittelrheintal: Die wehrhafte Marksburg
Von Koblenz aus ca. 10 km flussaufwärts bietet sich ein imposanter Anblick: Auf einem schmalen Felsrücken hoch über dem Rheinufer thront die Marksburg. Anders als viele Burgen der Region ist sie keine Ruine, sondern vollständig erhalten. Seit den ersten Befestigungen im 13. Jh. immer wieder angepasst und organisch erweitert, jedoch nie zerstört oder grundlegend umgebaut, ist die Burg selbst hier, in der dichtesten Burgenlandschaft Europas, ein ganz besonderer Fixpunkt.
Ein Serpentinenweg führt vom Parkplatz unterhalb der Burg in 5–10 Gehminuten zur Burg hoch; alternativ geht es über 120 Treppenstufen hinauf. Insgesamt drei Tore, Zugbrückentor, Fuchstor, wo auch die offizielle Führung beginnt, und Schartentor sind zu passieren, bevor die Besucher über eine Reitertreppe ins Burginnere gelangen – die Wehrhaftigkeit der Burg wird schon bei ihrem Betreten erlebbar. Hineingebaut in einen Felskegel ca. 90 m über dem Städtchen Braubach wird der Aufbau einer klassischen Höhenburg mit Bergfried, Zwinger, Kapelle, Wehrgängen und Wohnbauten nachvollziehbar. Die Innenräume, darunter Wohnräume, Rittersaal, Küche, Rüstkammer (auch eine Folterkammer darf nicht fehlen), sind nicht museal inszeniert, sondern weitgehend im baulichen Originalzustand erhalten. Enge Treppen, niedrige Durchgänge und unregelmäßige Grundrisse vermitteln ein realistisches Bild mittelalterlicher Bau- und Lebensweise.
Ein Besuch ist nur mit Führung möglich. Thematische Schwerpunkte – Wehrtechnik, Alltagsleben, Rechtsgeschichte – lassen sich je nach Gruppe variieren. Auch Sonderführungen (Schauspielführungen oder Taschenlampenführungen) werden angeboten. Zu beachten ist die aufgrund der historischen Bausubstanz nur eingeschränkte Barrierefreiheit, es gibt mehrere steile Treppen und unebene Wege.

Kombinationsmöglichkeiten: Schiffstour auf dem Rhein, Koblenz, leichte Wanderwege rund um Braubach, z. B. Panoramaweg.

Bild 2: Die Rüstkammer der Marksburg mit ihrer bedeutenden Sammlung. Sie zeigt die Entwicklung des gepanzerten Kriegers von der Antike bis in die frühe Neuzeit (Quelle: Deutsche Burgenvereinigung e. V.)

Märchenschloss im Seitental der Mosel: Burg Eltz
Gerade mal 22 km beträgt die Luftlinie von der Marksburg zu einer anderen außergewöhnlichen Burgenanlage, für viele sogar der Inbegriff der mittelalterlichen Ritterburg: Burg Eltz. Die etwas längere Fahrstrecke führt zurück durchs Rheintal, ein Stück an der Mosel entlang und dann ins idyllische Elzbachtal. Dort erhebt sich auf einem 60 m hohen Felssporn, vom Elzbach umflossen, von Wald umgeben die ebenso wehr- wie märchenhaft wirkende Burg.
Wie die Marksburg von größeren Zerstörungen verschont, ist Burg Eltz jedoch durch ihren Standort unten im Tal, durch die Architektur (bis zu 35 m hohe Wohntürme, Spitzen, Erker und eine ganze Dachlandschaft prägen das Bild) und auch die Historie einfach ganz anders. Seit der Erbauung im 12. Jh. bis heute ist die Burg im Besitz einer einzigen Familie, zeitweilig wohnten hier mehrere Familienstämme. Auch aus diesem Grund gab es noch bis ins 17. Jh. hinein zahlreiche Erweiterungen und Umbauten, dennoch besticht die Anlage durch architektonische Geschlossenheit. Ihre authentische Wirkung im Inneren wie im Äußeren und ihre Lage in einem geradezu unberührten Naturschutzgebiet überzeugte übrigens auch Filmteams: Auf, in und um Burg Eltz herum wurde „Der Name der Rose“ gedreht.
Die Burgführung (35 bis 40 Minuten) führt die Besucher durch reich dekorierte Innenräume mit originaler Einrichtung und Gebrauchsgegenständen aus neun Jahrhunderten. Die Schatzkammer (selbständige Besichtigung ca. 30 min) beherbergt eine große private Sammlung deutscher Silber- und Goldschmiedekunst, aber auch besondere Schmuckstücke, Rüstungen, Kuriositäten und vieles mehr.
Auch hier gilt: Als mittelalterlicher Wehr- und Wohnbau ist Burg Eltz nur eingeschränkt barrierefrei. Nach der Winterpause öffnet die Burg Ende März wieder ihre Tore. Für 2025/26 sind einige Restaurierungen bei weiterlaufendem Betrieb geplant.

Kombinationsmöglichkeiten: Schiffstour auf dem Rhein, Koblenz, leichte Wanderwege rund
um Braubach, z. B. Panoramaweg.

Geheimtipp in der Eifel: Schloss Bürresheim
Weniger bekannt, ein bisschen kleiner, aber atmosphärisch nicht minder eindrucksvoll ist Schloss Bürresheim bei Mayen, am Eingang zum malerischen Nitztal. Auch Bürresheim wurde nie zerstört oder im 19. Jh. romantisierend überformt. Im Gegensatz zu Burg Eltz war es jedoch im Besitz verschiedener Adelsfamilien. Sein heutiges Aussehen, das Ensemble aus Wohnbauten, Wehrmauern und Kapelle mit spitzen Dächern, buntem Fachwerk und verspielten Erkern, verdankt es der Familie Breidbach, die das Schloss im 16. Jh. erwarb.
Charakteristisch für Bürresheim, das an der Grenze von Kölner und Trierer Erzbistum liegt, ist seine historische und bauliche Zweiteilung. Der westliche Teil (Richtung Nitztal) ist die sogenannte Kölner Burg. Sie verlor früh an Bedeutung und ist heute nur noch teilweise erhalten. Dagegen wurde der östliche Teil (Richtung Mayen), die Trierer Burg, im Spätmittelalter ausgebaut und später von der Familie von Breidbach kontinuierlich zur repräsentativen Wohnanlage erweitert.
Architektonisch vereint das Schloss romanische (Bergfried aus dem 12. Jh.), gotische (das repräsentative Wohngebäude) und barocke (Umbauten im 17. und 18. Jh.) Elemente. Ein Muss ist der auf der Südseite angelegte Garten. Die Innenausstattung des noch bis 1938 bewohnten Schlosses ist weitgehend original erhalten: Möbel, Gobelins, Porträts, Alltagsgegenstände, Küchenbereich und Repräsentationsräume vermitteln ein geschlossenes Bild adliger Wohnkultur vom Spätmittelalter bis ins 19. Jh. Auch hier wurde übrigens das filmische Potenzial erkannt: In „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ stellte es (wenngleich optisch noch vergrößert und überhöht) das fiktive Schloss Brunwald an der deutsch-österreichischen Grenze dar, in dem Professor Henry Jones senior festgehalten wird.
Die Führung dauert ca. 45 Minuten und vermittelt viel Wissenswertes über das Leben auf Schloss Bürresheim vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Winterpause ist hier nur im Dezember und Januar.

Kombinationsmöglichkeiten: Leichte Wanderungen nach Mayen oder im Nitztal, Laacher See und Kloster Maria Laach, Vulkanmuseum „Lava Dom“ in Mendig.

Bild 3: Blick auf die „Trierer Burg“ von Schloss Bürresheim mit barockem Garten (Quelle: GDKE/Elisa Fischer)

Italienische Sehnsucht in der Pfalz: Schloss Villa Ludwigshöhe
Damit verlassen wir das Mittelalter und fahren von der Eifel ein gutes Stück südwärts in die Pfalz und ins 19. Jahrhundert. In einer ganz anderen Landschaft ist hier auch eine ganz andere Art der Schlossanlage zu besichtigen. König Ludwig I. von Bayern ließ sich die klassizistische Sommerresidenz Villa Ludwigshöhe oberhalb von Edenkoben errichten – als Ausdruck seiner Italien-Begeisterung und seiner Vorstellung von Kunst als Staatsauftrag.

Nähert man sich der „Villa“ (von diesem Ausdruck sollte man sich nicht in die Irre führen lassen, es ist und bleibt ein Schloss) in exponierter Hanglage über der Rheinebene, so hat man tatsächlich das Gefühl, in Italien, wenn nicht im antiken Rom gelandet zu sein. Vor allem das Haupthaus, der Königsbau, mit seiner klaren Architektur und den doppelstöckigen Loggien ist eine bewusste Anlehnung an Villen „italienischer Art“ wie Ludwig I. selbst es formulierte. Im Inneren spiegeln die kostbaren Wand- und Deckenmalereien, kunstvolle Böden und die Raumgestaltung die Sehnsucht nach dem Süden wider.
Nach umfassenden Restaurierungen präsentiert sich das Haus seit 2025 in neuem altem Glanz. Nach der Winterpause startet die neue Saison am 14.3.2026. Ab dann ist auch die neue Ausstellung „Sehnsucht Pompeji – Ludwig I. und seine Leidenschaft für die Antike“ zu sehen.

Kombinationsmöglichkeiten: Fahrt mit der Rietburgbahn (Sesselbahn) zur Ruine der ehemaligen Raubritterburg mit großartiger Aussicht über die Rheinebene, Besuch der Sehenswürdigkeiten an der Südlichen Weinstraße, z. B. Speyer.

Fazit: Burgen und Schlösser, auch, wenn sie „Villa“ heißen, sind lohnende Programmpunkte für Gruppenreisen. Besonders in Deutschland sind sie so zahlreich wie vielfältig, thematisch aufeinander abgestimmte „Burgentouren“ aufgrund der hohen Dichte sinnvoll planbar. Je nach Lage lassen sich die Besichtigungen gut mit weiteren Programmpunkten kombinieren: Städteführungen, Naturerlebnissen, Flussfahrten. Und gerade an Rhein und Mosel und in der Pfalz kann eine Weinprobe den perfekten Abschluss einer Besichtigung bilden.

Dorothea Kirschbaum